16.Jhd.: Ende der Epoche des  Mittelalters und Beginn der "frühen Neuzeit"

In den nun folgenden 200 Jahren brennen dreimal große Teile 
des Ortes Berne nieder

"Berne brennt"

1538  Landsknechte des Bischofs von Münster brandschatzen den Ort Berne.

1573 der Ort Berne brennt erneut 
(Das Original der Berner-Bürgerrolle verbrennt)

1698 die große Feuersbrunst 

 

Im 16. Jahrhunderts (also nach dem Jahre 1501) beginnt die Reformationsbewegung im Christentum und es entstehen u.a. die reformierten und lutherischen Kirchen, es kommt nun oftmals zur Trennung von der katholischen Kirche.

- es gab verschiedene Zentren und verschiedene Reformatoren- 

Der Augustinermönch Martin Luther * 10. November in Eisleben 1483; +18. Februar 1546 in Eisleben)  ist jedoch einer der wichtigsten Reformatoren dieser Zeit.


1523 die Reformation erreicht Oldenburg

Die evangelische Lehre wird in der Grafschaft Oldenburg erstmalig zu Ostern 1523, durch den Lutherschüler "Mag. Edo Boling", Pastor in Esenshamm, erfolgreich verkündet. Zehn Jahre später wird das "Kloster Hude" im Jahre 1533 aufgehoben und der letzte AbtAbt Liborius Lippken des Klosters siedelt nach Bremen über. 
1547 erwirbt Graf Anton I. das ehm. Abthaus des Kloster zu  Hude und nutzt dieses nun als Jagdschloss.
(1687 geht das Klostergut in Besitz des dänischen Königs Christian V. über. Von diesen erwarb der Jägermeister und Landdrost zu Delmenhorst "Kurt Veith von Witzleben" das Gut auf Basis einer Erbheuer, von 150Reichstaler jährlich.)
In der Grafschaft Oldenburg, unter Graf Anton I. von Oldenburg1525 - 1573, bewirkt die Reformationsbewegung eine erhebliche Umordnung der kirchlichen Ländereien. Auch in Stedingen veränderten sich die Besitzverhältnisse, nun übernehmen die Bauern die Höfe und werden eigenständig.

1547 wird das Berner-Kirchspiel evangelisch und von nun an predigt in der St.- Ägidius-Kirche zu Berne ein evangelischer Pastorder erste Pastor war: Berend Knorp 1547-56 .

 

1538 die Fehde zwischen Münster und Oldenburg
um die Herrschaft Delmenhorst und Stedingen

Im Mai 1538  erschienen  zahlreiche Landsknechte im Viehland  (vor den Toren Bremens). Der Rat der Stadt verpflichtete 900 davon zum Schutze Bremens.
Am 18. Mai zogen dann die restlichen Landsknechte über Stedingen nach Moorriem um dort vom Grafen von OldenburgEs regieren gemeinsam: die Grafen Johann VI., Georg, Christoph, Anton I und Regentin Anna  in den Dienst genommen zu werden.  (Letztendlich soll das Heer ca. 5000 Mann betragen haben.)

Zahlreiche Stedinger Bauern brachten darauf ihr Hab und Gut nach Bremen in Sicherheit. 

Am 20. Mai fällt Graf Christoph von Oldenburg in  die Herrschaft Delmenhorst (gehörte damals zu Münster) ein und von Moorriem erfolgt der Einfall nach Stedingen. Am 20. Juni erfolgte dann die Gegenoffensive des Bischofs von Münster, sein Heer zieht bis vor Oldenburg und brennt dabei den Ort Berne nieder.
Am 30. Juni wird in Wildeshausen der Waffenstillstand geschlossen und Delmenhorst und Stedingen bleiben bei Münster, doch das Land ist verwüstet.

Erst am 02.04.1547 erobert Graf Anton I. von Oldenburg mit 500 Mann überfallmäßig die Burg in Delmenhorst  und besetzt am folgenden Tag das Stedingerland, damit war Delmenhorst wieder ein Teil der oldenburger Grafschaft.

Qelle: Wikipediadie Burg von Delmenhorst

  

Die  "Stedingerkanone" für den Grafen Anton

1546-1605

1554
Hat das ganze Stedinger Land dem Grafen Anton ein fein Stück Geschütz gießen lassen 
für die Festung Delmenhorst verehret, darauf also geschrieben steht:
"Egidius ich hieße
Die Stedinger haben mich lassen gießen
Graf Antonio zu Ehren
Also ihrem gnädigsten Landesherren."
10 Mai 1605
Das grobe Geschütz, so die Stedinger vor diesem (1554) dem Grafen von Delmenhorst verehret, von übermäßigen Schießen entzweigesprungen und längshin geborsten. 
Wie aber Graf Anton von Delmenhorst in Gnaden begehret, dass die Stedinger ihm zu Ehren, solches möchten auf ihre Unkosten wiederum umgießen lassen, und sie sich dessen aus Unbedachtsamkeit verweigerten, so hat Graf Anton dasselbe wiederum selbst neu umgießen und verfertigen lassen mit dieser Überschrift:

"Egidius ich hieße
Die Stedinger haben mich einsmal lassen gießen
Wie ich aber zersprang und quam zunichten
Hat mich Graf Anton wieder lassen richten."

  

Verwaltung des "Stedingerlandes" ab Mitte des 16.Jhd.

In dieser Zeit wurde das Herrschaftsgebiet der Oldenburger / Delmenhorster Grafen in "Vogteien", den gräflichen Verwaltungsbezirken, unterteilt.
Der Vogt hatte für die Umsetzung der gräflichen (herrschaftlichen) Rechts- und Landansprüchen zu sorgen. Ihm zur Seite stand ein Vogteiausschuss aus gewählten Personen (Geschworenen) und ein Untervogt.  Der Vogt hatte die " erste Cognition in allen Polizey- und Civilsachen "
Die niedere Gerichtsbarkeit wurde jedoch in den Bauernschaften durch den Bürgermeister und den Bauerngeschworenen geregelt.

Das Stedingen besteht nun hauptsächlich aus 2 Vogteien:
Vogtei Berne *)    =   Grafschaft Delmenhorst
Vogtei Altenesch  =  Grafschaft Delmenhorst

 *) Ab 1548 ist ein Vogt in Berne urkundlich belegt.

Ein kleiner Teil des Stedingerlandes, das
Kirchspiel Neuenhuntorf der Vogtei "Wüstenland", gehört jedoch zur Grafschaft Oldenburg.

 

Selbstverwaltung (niedere Gerichtsbarkeit) im 16. - 17 Jhd.
Bürger- und Bauerrollen regelten das öffentliche Leben in Stedingen

Der Flecken Berne und die umliegenden Bauernschaften  hatten in der "frühen Neuzeit" eine erhebliche Selbstverwaltung. So wurden die gemeinschaftlichen Regeln gegen Ende des 16.Jhd. in der "Bürgerrolle von Berne" und in den "Bauerrollen (später Bauernkodex genannt)" niedergeschrieben.
Diese Rollen (Urkunden) regelten z.B. die Feuerschutzbestimmungen, den Hausbau, den Wege- und Deichbau und deren Instandhaltung, die Viehhaltung, die wichtigen Braurechte, die Handel und Gewerberechte und die Strafgelder bei Verstößen.

        §    Berner Bürgerrolle
        §    Ranzenbüttler Bauerrolle (Rulla der Herrn von Manßflethe)
        §    Bettingbührer Bauerrolle
        §    Neuenkooper und Bütteler Bauerrolle 
        §    Rolle der Dorfschaften Ollen und Glüsing
        §    Neuenhuntorfer Bauernkodex
        §    Bauerrolle Harmenhausen 
        §    Buttel und Bäker Bauer-Rull
Die Eidesformel der "Rulla der Bürger zu Berne" von 1620:
"Daß sie wollen und sollen das folgende Jahr gute Uffsicht haben uff alle Bürgergerechtigkeit, uff Lucht und Fewer, uff Straßen und Wege, uff Aven und Dahren, uff Torff und Fuderung und alle demjenigen, da der Gemehne Schade von geschehen könte, solches mit Fleiß zu verhüten sich angelegen sein laßen, auch befordern alleß was der Gemeine zum Besten oder Frommn gedeyen kan oder mag. Und dakegen nicht ansehen jemands Gunst oder Gabe, Vater oder Mutter, Schwester oder Bruder, Freundschafft oder Schwagerschafft, imgleichen nichts handeln oder kegen dem Negsten vornehmen auß Haß oder Feindschafft oder dergleichen, sondern wes dem Rechte, der Billgkeit und dieser Rulla gemeß ist verhalten, so wahr alß Gott helffen solle"

Referenz: "E. Seeber, Verfassung oldenburgischer Bauerschaften" Seite 55

 

weitere Info  u.a.  in Wikipedia unter "Oldenburger_Bauerbriefe"

 
Gerichtsbarkeit in Stedingen

Allgemein regelten die Bürger- und Bauerrollen das öffentliche Leben in Stedingen. 
In Oberstedingen gab es bis 1547 insgesamt 6 Gerichte mit niederer Gerichtsbarkeit:

Berne, Warfleth, Edenbüttel, Lemwerder, Deichhausen und Altenesch.

Der Gerichtsherr (das Haus Delmenhorst bzw. für Lemwerder das Haus Blumenthal) stellte den Vorsitzenden des Gerichts und mit den bäuerlichen Beisitzern wurde das Urteil gefällt. Nach 1547 wurden nur noch Berne und Altenesch weitergeführt.

Neben der niedrigen Gerichtsbarkeit gab es bis Mitte des 16.Jd. ein höheres Gericht in Harmenhausen, dieses wurde die "Sieben Rechte" oder "Siebengericht" genannt. 
Dieses Gericht urteilte "nur" über die Brokseite von Oberstedingen und umfasste u.a. Straftaten an Hals und Hand, Abmeierung, Grundeigentumsprozesse und in zweiter Instanz Wegesachen. Für die Lechterseite gab es ein höheres Gericht in Warfleth.

Namensdeutung: "Sieben Rechte" oder "Siebengericht"

Da es 6 Gerichte mit niederer Gerichtsbarkeit gab, wurde das höhere Gericht "das Siebte" genannt.
( Neundorfer )
Ein Gericht , das im Namen des Volkes, siebenmal im Jahr tagte. 
( Vollers )

Eine andere Deutung ist: "Gericht mit sieben Beisitzern". 

( Goens u Ramsauer)

Der Richter im Stedingerland unterstand dem Fürsten von Münster, denn verwaltungstechnisch gehörte Stedingen zu Delmenhorst und dieses unterstanden wiederum Münster. Siehe was unter den Chronisten Vollers berichtet wird:

Aus Vollers Chronik: (dies zeigt auch sehr schön die damalige Sprache)

Zwey Urtheile von den "sieben Gerichten genannt: "Sieben Rechte" und damals das höchste Gericht in und um Stedingen  zu Harmenhusen" im Stedingerlande; 
nebst Nachricht vom Ende dieses Richterstuhls
Quelle: ein kleinen Buch von 1770, Seite 344-350     aus  Vollers Chron. S.69 u. f 

Erstes Urtheil.   

Iek Hermann Meyer, ein geschworener Richter  der Richter unterstand also den Fürsten von Münster ! meines gnädigen Fürsten und Herrn von Münster in der Herschoep Delmenhorstvon 1482 bis 1547 gehörte Delmenhorst zu Münster. Dann erobert Graf Anton I. von Oldenburg und Delmenhorst erobert Burg und Grafschaft zurück. Anton I. (1505-1573) Vater von Johann VII. Graf von Oldenburg und von Anton II. Graf v. Oldenburg-Delmenhorst (1550-1619)   dho kunde und bekenne vor alswehme, das vor mi up de seven Gerichte tho Harmenhusen im Stedingerlande, dar iek Steede unde Stoell, so mi van rechtte geborde, besethen unde bekledet hadde, erschenen is, Mauritius Mories tho Betingbueren unde leth dorch sinen vorloveden Borspraken, Johann Meyer anklagen unde gelangen Wenke Oltmans umme Geloffte, so he eme wegen Seegelt unde Breve up twe Morgen Land holdende gedhan. Des de vorgescheven Wenke Oltmans dan nichtt verfakede und gesechtt, he hebbe die Segell im Budell und de veck sehen lathen, und die Dedingesluede unde Winkoepes lüde tuegdene unde stunden des veck wolt, dade Wenke Oltmanns eme darfür gelavelt hadde Darup begerde Johann Meyer vergl. einen van mi Richter thom Ordell, da iek ehme Fredrich Wenken tho gegeven, dem he tho versoeken wattrechtt si, alsus gefragett. Na deme Wenke Oldmanns darsta, und versake nicht, dat he Mauritius vorgeschreven vor sodane segele unde Breve up 2 morgen landes holdend gelavet und de Segels im Buedel hebbe unde die Dedinges unde Winkopes luede dade vek mede bestan, und de grove Mauritius ehme derhaven vaken und veele nicht ahne sinen groeten Schaden angelangett, datt ehme dennoch bether unbatlich vorbleven, offt Wenke Oltmanns gemelten Mortio nicht si schuldig, sodane Segel und Breve tho levern und eme sinen geleden Schaden derhalven so ferne sine gueder reken, tho benhemen, watt darumme recht si.  Ingebracht vor recht:
Nademe Wenke Oltmanns der loffte sulvest gestei und de Segele hebbe und de Dedingsluede des vek tho ston und Mauritius eme derhalven vaken nicht sonder sinen Schaden belanget, moethe he eme sodane Segel und Breve up de twe Morgen Landes holdende, ane sinen Schaden leveren und ehme sinen Schaden deffer Saken halven geleden, so ferne soi guett wendet, benemen. Dad so beorkundet, wurde noch gefrat, offt ehme de Richterdesses nicht moete geven ein Bewies und schin, und des sin Wingeltt tho nhemen, edder was darumme recht si, dat ehme oek tho gefunden wurtt. Ane alle Arglist, neye Funde iß dit so vor mi Richter vorged. alse warhaftig geschen, darmitt mitt mian und aner gewesen vor Korgenveten und Bisiters des Richters die Erveste und Erhaftige, Erbare Johann von Münster Droeste und Her Johann von Hagen, Rentmeister tho Delmenhorst, vor Zuegenluede die Ersamen Johann Vagett thoer Berne, Johann Vagett thom Oldenesche und die ganzen Seven Gerichte und in mehrer Verstrickung der Warheit hebbe ick Hermann Meyer, Richtervorged. eine Segel wittliken, so mi vanrechte tho gefunden hier under an dhon hangen.

Im Jare unsers Herrn 1527 am Guedenstag na dem Sondage Craudi.

.

Zweytes Urtheil.

Nachdem Ao. 1595 dem 15 Febr. Sonnabends; Graf Anthonius Der 12 jährige Graf Anton Günther (1583 - 1667), Sohn des Grafen Johann VII. von Oldenburg (1540-1603) auf die Jagd gewesen, In der Wusting zwischen Lintel und Wüstenlande, und zu weit uff Ms. Herrn Graf Johannes  Grafschaft Delmenhorst  ungezweiffelten Grundt und Boden kommen, also, daß so weit zu geholet, daß die Delmenhorstischen, mit ihrem Blocke zwen Häuser In der Hende so Oldenburgisch sein, und zum Wüstemland gehören, besetzet mit Nammen Johann Geveltes und Berendt Drülings Hauser, welche zuvor wie die Leute alle sagten, Niemahls von den Dellmenhorstischen, ohn allein daß ungefehrlüch vor ein tag oder Drey, die Dellenhorstischen ihren Jagdt, vor denn beyden Häuser her auch besetzet und algemach so weit zu negmendas Sie achte die Häuser gekommen.
Der auf Hauptmann Maetz, Diederich Schmidt und Johann Falckenburg, ein alter Mann Cyllerdt Kloppenburg, so über die hundert Jahr alt, doch guter vernunft, den 17ten Febr. abgefüret und die Warheit zu berichten, begehret, woher die Scheydung Grenze  gehe, zwischen Lintel und Wüstenlandt, Sagt beständiglich, 
Eß sey all vor drey Styge Jahren da der letzte Richter 1550 starb muss dies ca. 50 Jahre zurückliegen , zwischen den lintelers, und Wüstel, der Scheydung halber, da die Grafschaft Dellmenhort noch Münsterisch gewesen, auch viel Streit vorgefallen, das auch einer dem andern ihre Beester etzlich mahl genommen, bis daß sie darüber vorn Landtgericht zu den Bern gerathen, da sie dann woll drey mahl in Handelung gewesen, aber weilen Sie dann daselbst nich vergleichen noch geschieden werden können So sind sie nach Harmenhusen, vor den Sieben Rechte, wie es genennet, und daßelbe ihre höchste Gericht gewesen, verwiesen alda sey von der ganzen Landschaft anerkandt daß die Wüsting, denn Wüstenländer, zu gehore, Mann solt aber von der höchte, von den Lemmeln auf der Geest ein Ratt her dall laufen laßen, und so weit daß Ratt lieffe und wann es dall Sieble so ferne solte der linteler Gerchtigkeit seyn und bleiben u.s.w.

concordat originali in archive affervato
L.H. Schloifer
Quelle: ein kleines Buch von 1770, Seite 344-350  

 

1550 starb des Stedingerlandes Richter mit Namen Hinr. Rüscher (ein Bauer wohnhaft in Ollen) und haben die Landleute nach dieser Zeit keinen Richter im Lande wohnhaftig gehabt, sondern sich billig an das Gericht ihrer Obrigkeit gehalten.

Vollers Chronik p. 80

Der "Stedinger Papagoy von Berne",
 ein Stedinger Kleinod von 1584.
Das Oldenburger Landesmuseum beherbergt diesen silbernen Papagei der Berner Schützengilde unter der Inventarnummer 2393.

Der Chronist Heinrich Vollers beschreibt diesen "Stedinger Papagoy " veröffentlicht im "Oldenburgischen Kalender auf das Jahr 1790" wie folgt: 
(ergänzt mit Korrekturen gem. der Beschreibung des Landesmuseums)

"Dieser silberne Papagoy (mit geschlossenen Flügeln) hat die Größe eines Krammetsvogel (d.h. einer Drossel von 22-25cm Länge), ist 10 Loth (d.h. 160gr.) schwer und nach damaliger Zeit zierlich bearbeitet. In seinen Schnabel hängt ein vergoldeter Ring und auf dem Kopf trägt er eine gleichfalls vergoldete Krone (Zackenkrone)
Vor der Brust ist eine vergoldete Platte von der Größe eines 6-Groschen=Stücks angebracht, vorauf ein Geistlicher (der hl. Ägidius) abgebildet ist, der in der einen Hand einen Stab (Krummstab) hält und die andere auf einen Hund (Hirschkuh) legt, mit der Umschrift S(anctus) E(gidius) P(atronus) S(tedingiae).  hl. Ägidius

 

 

Auf dem Rücken liegt ein kleiner vergoldeter Schild , in dessen Mitte das gräfliche Delmenhorster Wappen gegraben ist, mit der Umschrift : Stedinger Freyschütten Pappegoja 1584 

(DER : STEDINGER : FREI : SCHUTTEN : POPPEGOIA 1584).

 

das gräfliche Delmenhorster Wappen
Am Ende des Schildes ist eine Öffnung, die über einen auf dem Rücken des Vogels sich befindlichen silbernen Ring passt. Durch beyde Ringe ist wahrscheinlich das Band gezogen, woran derselbe getragen worden"

Heute gehört noch eine silberne Kette dazu.

Was hat es nun auf sich mit diesem Papagei ?

kl. Exkurs zu den damaligen Schützengilden und zivile Bürgerwehren 
Im hohen Mittelalter wurden, um die aufstrebenden Städte und Grafschaften gegen räuberischen Angriffen zu verteidigen, 
überall Schützengesellschaften (Schützengilden und zivile Bürgerwehren) gegründet. So wird bereits 1378 bei den Armbrustschützen zu Dortmund von einen Papageienschießen berichtet. Diese Schützengilden sollten sich im Gebrauch der Schusswaffen üben und so wurde in der Regel zu Pfingsten, oder bald danach, ein Preisschießen veranstalten, welches bald fester Bestandteil des städtischen und dörflichen Lebens wurde. Es wurde auf einen hölzernen oder aufgemalten Papagei geschossen und der beste Schütze erhielt dann oftmals eine Kette mit einem Papagei.
Das Vogelschießen bzw. das Papageienschießen war schon im Hochmittelalter ein relativ verbreiteter Bauch in großem Teil von Europa (England, Schottland, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Schweiz). 
Heute noch wird in Nienburg a.d. Weser beim Schützenfest der Bürgerkompanie das "Papageienschießen" abgehalten, der Königsschmuck, ein silberner Papagei an einer Kette von 1581, wurde vom letzten Grafen von Hoya
Otto VIII., Graf von Hoya und Bruchhausen, Regierungszeit 1575-1582, gestorben am 25.02,1582 (52 Jahre alt) gestiftet. 
Das Vorbild für diesen Papagei und vieler anderer Papageienketten könnte eine Abbildung aus Conrad Gesners "Geschichte der Tiere, Drittes Buch, Über die Vögel" aus dem Jahr 1554 sein, denn welcher Silberschmied hatte schon einen lebenden Vogel als Vorlage.

Conrad Gesner: Alexandersittich (1554)

Stedingen gehörte zu Grafschaft Delmenhorst und Graf Anton II. zu Delmenhorst wollte auch das Stedingerland wehrhaft machen. Also ordnete er 1577 die Bewaffnung der Einwohner an!
Im Jahre 1883 wurden dann die Waffen an die Männer verteilt mit der Pflicht diese gut zu pflegen und instand zuhalten. Die Schützen rekrutierten sich wie folgt, ein Köther musste ein Mann stellen, ein Bauer bis 20 Morgen zwei Mann und ein Bauer über 20 Morgen drei Mann.
So musste sich die Schützengilde nun jährlich um Pfingsten (ab 1884), vor dem Haus des Vogtes auf dem Breithof (Freythave) aufstellen und ihre Gewehre präsentieren, ob diese auch poliert und intakt waren. Dann ging es zur Berner Windmühle und dort durfte jeder dreimal auf einen auf einer Tafel gemalten Papagei schießen. Für diese drei Schüssen mussten drei Groten bezahlen werden und wehe wenn einer öfter schoss, dann wurde er als unehrenhaft betrachtet.
Wer den besten Schuss tat, wurde zum "Papagoyen-König" ernannt und musste den übrigen Schützen zwei Tonnen Bier ausgeben. Dafür genoss er dann aber für die Dauer eines Jahres wesentliche Arbeits- und Zahlungserleichterungen. 
Als Zeichen seiner Würde bekam er einen silbernen Löffel, einen Stock und eine Zinnschüssel. Nun wurde es feierlich, der bisherige "Papagoyen-König" mit dem umgehängten silbernen Papagei wurde von zwei Priestern zum Schützenplatz geführt und dieser übergab die Königskette an den neuen "Papagoyen-König", der dann von den Priestern heimgeführt wurde.

Aus der Historie des "Berner Papagoyen Scheten":
1586 wurde in Berne ein gemeinsames Schießen der Vogtein Berne und Altenesch veranstaltet, doch so berichtet Heinrich Vollers, entzürnten sich dabei die beiden Vögte. Darauf ließ sich Altenesch im Jahr 1590 einen eigenen silbernen Papagei anfertigen.

1589 nahm der Landesherr, Graf Anton II. zu Delmenhorst am Schießen in Berne teil und wurde König. Den ihn nun zustehenden "Vorzug" schenkte er dann an einen Schützen mit den Namens Hinrich Böning.

Auch im Jahr 1607 fand das Schießen mit gräflicher Beteiligung statt, auch dieser Graf Günter von Schwartzburg wurde mit den besten Schuss "Papagoyen-König", doch den Titel gab er dann an den Schützen Gerd Busse weiter, der den zweitbeste Schuss getan hatte.

Das Schießen im Jahre 1607 war letztendlich auch das letzte "Papagoyen Scheten" zu Berne und der silberne "Papagoy" wurde darauf in der Kirche zu Berne aufbewahrt.

Dann Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts muss das Kleinod an das Oldenburger Landesmuseum übergeben worden sein.

  

Der 1. Stedinger - Chronist: "Heinrich Vollers", Berne
Landwirt, Landvermesser, Organist, Chronist, Kirchenjurat und gräflicher Rechnungsprüfer 

Heinrich Vollers 1583-1656, der große Chronist des Stedingerlandes, wird am 19.02.1583 als Kind der Eheleute Gert und Anna Vollers geboren. Er wächst auf den väterlichen Bettingbührer Bauernhof auf und erlernt neben der Landwirtschaft, wie sein Vater, das Orgelspielen und das Handwerk des Landvermessers.
Er schreibt erstmals die mündlich überlieferten Geschichten des Landes, in einer "Stedinger Chronik", auf. 
Diese Chronik, so die "Stedinger Chronica von A.o. 1618" ist heute im Niedersächsischen Staatsarchiv verwahrt. 
Heinrich Vollers schrieb seine Chroniken in mehreren Abschnitten, den ersten Teil bis 1609 Stedinger Land. Berne 1609 dann folgte die "Stedinger Chronika" 1618 und der abschließenden dritten Teil die "Kleene Cronica" ist auf 1644 datiert.
Er berichtet über die Kirche und Pastoren, von den harten Wintern, den Sturmfluten, Gerichtsverfahren, den Deichgeschworenen, Feuersbrünsten, Kriegszeiten und .....

 

Die Zeit von 1618 - 1648, der "Dreißigjährige Krieg"

Graf Anton Günther 1583-1667 ist der letzte der Grafenlinie und setzt seine Blutsverwandten, den König von Dänemark und den Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorp zu seinen Lehnserben ein. 
Er erweist sich in seiner Regierungszeit(1603-67) nicht nur als Deichgraf und Pferdeliebhaber sondern auch als geschickter Diplomat. So gelingt es ihn durch Zahlung hoher Geldsummen und Schenkungen (hierzu zählen auch zahlreiche Pferde aus der Oldenburger Zucht) sein Land fast gänzlich aus den Kriegswirren herauszuhalten.
Doch auch Oldenburg und Stedingen wurden vom Krieg gestreift:
 

Der Zeitzeuge, Heinrich Vollers, berichtet in seiner "Stedinger Chronica"

entnommen: "Stedingen und die Stedinger", G. Meiners

1623
Tilly mit 1000 tho Roß und Vethe bet tho de Wardenborch Wardenburg bei Oldenburg . . .  Grafschaft Delmenhorst in grothe Gefahr . . .  
Stedinger 38 Weeken 100 Soldaten und 10 Weeken 60 Soldaten up dat Huß Delmenhorst,
jedem Soldaten wekentlik mit 1 Rikesdahler besolden  . . .  
2 fine Schanzen, eine Nienmolen up Hurda Neumühlen, de ander tho Weyhusen südlich von Alteneschup den Diek upgeworpen,
darinnen mit 200 Musqueteren Wacht geholden  . . .  
Bi Bardenfleth ein Diek dorchgesteken, water up Land tho averkamen,
und vele Schlagboemen up de Bruggen und Wegschedungen gestellt.Der Deich bei Bardenfleth wird von den Stedingern selbst durchstochen, um des Grafen Tillys Kriegsvolk abzuhalten.

entnommen: "Sturmfluten im Stedinger Land", H. Fuge

1624
Am 05.01.1624 durchstachen die hiesigen Landsleute erneut den Deich bei Bardenfleth 
"wegen der Spanischen Keyserlichen Völker"
"Am 20.Januari glücklich wieder zugedeichet"

 

1625
Am 14. Okt. 1625 landet Feldherr Ernst von Mansfeld Feldherr und protestantischer Gegenspieler von den katholischen Feldherren Tilly und Wallenstein , "so Königl. Majestät in Dännemark gegen Monseur Tylli bedienet war" mit 110 Schiffen und 4500 Mann ganz unerwartet in Lemwerder und plünderte eine Woche lang alle erreichbaren Häuser.
Der Feldherr Mansfeld und nimmt in dieser Woche  Quartier im Pfarrhaus zu Altenesch.


Um 1640 züchtete Graf Anton Günther auch im südlichen Stedingen auf dem ehemaligen VorwerkLehnshof "Weyhausen" seine Pferde. Das Lieblingspferd des Oldenburgischen Grafen Anton Günther, der Apfelschimmel "Kranich", ist heute im Wappen der Gemeinde Lemwerder abgebildet und steht so als ein Symbol für die Pferdezucht in Stedingen.

Aus finanziellen Gründen mussten Oldenburger Grafen das Vorwerk nach dem 30-jährigen Krieg verkaufen.
Es wechselte dann noch öfter den Besitzer und im Jahr 1917 brannte das 'alte' Gutgebäude nieder.
Das ehemalige Lust- und Brauhaus des Vorwerks war Mitte des 20Jhd. nur noch eine Ruine. 
Auf der Delmenhorster Burginsel wurde es dann unter Verwendung originaler Teile wieder aufgebaut.

Aus dieser Zeit gibt es eine Volksüberlieferung zum Lieblingspferd des Anton Günthers.

( siehe Text )
Einstufung: "Sage"

 

 

1641 : Die 'Stedinger Bittschrift ' an Graf Anton Günther

Die Bitte, dass ihnen möge vergönnet werden, das verordnete Hochzeitbier in zwei Tagen auszutrinken, weilen sonsten die jungen Eheleute nicht werden begabt, und es zu schwer Gesöff gebe, solches in einem Tag und Nacht auf einmal auszusaufen usw.aus einer Zeitungsbeilage 1932

 

Hochwohlgeborener Graf, gnädiger Herr,

Ew. Hochgräfl. Gnaden seind unsere bereitwillige, pflichtschuldige und gehorsame Dienste in aller Unterthänigkeit jederzeit zuvor. 
Gnädiger Graf und Herr, Ew. Hochgräfl. Gnaden haben aus gnädigem und gutem Gemüthe vergangenen Jahr zwar zu unserem Besten gemeint, die weitläuftigen und unnöthigen Hochzeiten, Kindtaufen und Tröstelbier durch ein ernstlich Mandat in vielen eingezogen und in so weit abschaffen wollen, daneben eine gewisse Ordnung verfassen lassen, wie sich ein jeder Unterthan in solch einen Fall verhalten und danach leben soll. Ob nun wohl zwar, gnädiger Graf und Herr, wir arme Unterthanen, was die Hochzeiten anlangen thut, schuldig sein darnach zu leben und uns gehorsamlich darin zu verhalten auch gewilliget sein, dennoch haben wir unterthänig hiemit zu bitten , Ew. Hochgräfl. Gnaden wollen gnädig geruhen, daß bei den angesetzten und verordneten Bier ein Jeder zwei Tage Hochzeit halten möge um der jungen Eheleute willen, denn wohl eine Gabe den andern Tag gegeben wird, so den ersten Tag wohl außen bleibt, zum andern um großen Unraths und schweren Gesöffs halber zu vermeiden, so in einem Tage und Nacht für gebet und sonsten wegbleibet, so zween Tage dazu genommen werden.
Ingleichen, was Kindtaufen angelanget, weil es in Berne ist, da Gott der Herr einen ehrlichen Mann mit einem jungen Sohn oder Tochter erfreuet, als will es sich da nicht anders gebühren, wie in der ganzen Welt außerhalb Bremens, gebräuchlich ist, daß einer den gebetenen Gevattern, Eltern und Kindern und sonsten nächsten anverwandten ein klein Mahl anrichtet. Also ist unser unterthänige Bitte, Ew. Hochgräfl. Gnaden wollen gnädig geruhen und zulassen, daß wir zur Fröhlichkeit in aller Gottesfurcht unseren Gevattern, Schwestern und Brüdern nur auf eine Tonne1 Oldenburger Tonne Bier = 159.6 Liter Bremer Weiß=Bier Kindtaufe oder Gasterei halten mögen, woran keiner arm wird, der sonsten nicht arm ist oder arm sein soll.
Tröstelbier betreffend hat man ja leichtlich  zu erachten, da einem seine Eltern, Kinder, Schwester oder Bruder absterben das dadurch einer genugsam betrübt wird, und nächst Gottes Wort wohl menschliches Trostes bedürftig ist. Auf das es nun auch an dem nicht mangeln möge und man nach dem Begräbnis nicht von einander laufe, als das unvernünftige Vieh, so seines Trostes bedürftig:  Also ist auch hiemit unser unterthänige Bitte, Ew. Hochgräfl. Gnaden wollen uns in Gnaden erlauben, daß wir in unsern Betrübnissen nach gethaner Leichenbegräbnis unsern Nachbarn, Eltern und Kindern, Schwestern und Brüdern nur auf eine Tonne Bier und nicht mehr ein Mahl anrichten und darbei, nicht zur Fröhlichkeit, sondern einem jeden zum Trost einen Trunk Bier bieten und langen mögen. Inmaßen solches nach heiliger Schrift auch zu erweisen, daß sie im alten Testament nach gehaltener Leichenbegängnis den Ihrigen einen Trost=Becher präsentirt und mitgetheilt haben, und da Einer unter uns im vorigen Jahr sich verbrochen, wolle Ew. Hochgräfl. Gnaden gnädig geruhen und solch Bruch in Gnaden erlassen.

Solches thun zu Ew. Hochgräfl. Gn. wir uns in Unterthänigkeit versehen und getrösten, dieselben in den Schutz des Allerhöchsten befehlenden. Datum im Stedingerlande. Anno 1641

Sämtliche  Unterthanen im Stedingerlande
Ew. Hochgräfl. Gnaden
unterthänige, gehorsame und getreue
Sämtliche  Unterthanen im Stedingerlande

Anmerkung: 
Bier gehört zum ältesten Nahrungsmittel der Menschheit. Das im Mittelalter und in der frühen Neuzeit so gern Bier, besonders zu Feierlichkeiten getrunken wurde, lag unter anderen daran das Wasser in der damaligen Zeit oftmals unsauber und verschmutzt war. So liebten es die Leute ihren Durst z.B. mit Bier zu stillen.
So schreibt Heike DÜSELDER in: "Der Umgang mit dem Tod in Oldenburg und Ostfriesland in der Frühen Neuzeit", in: Emder Jb 78, 1998, S. 78

"Ein ordentliches Tröstelbier gehört nun mal dazu." 

 

Hermann Mylius von Gnadenfeld

– ein Berner Müllersohn als gräflicher Gesandter im 30j. Krieg –

 

aus WIKI entnommen

 

Hermann Müller alias Mylius wurde am 10. November 1603 in Berne, als Sohn des Müllers Ocko MüllerHermann Lübbing in der Veröffentlichung der Oldenburgischen Familienkunde 1967 Vater: Ocko Müller, Sohn Hermann Mylius, geb. 1603G. Meiners, Stedingen und die Stedinger, S.162 Vater: Hermann Müller, Sohn Hermann Müller alias Mylius, geb. 1600, Pächter der gräflichen BockwindmühleChronist Hinrich Vollers: “1464 wart de Windmöhle thor berne upgebawet …“ in Berne, geboren. (zur Geschichte der Berner MühleKulturmühle Berne e.V, www.kulturmuehle-berne.de/index.html: siehe folgenden Link)

 

Es war ein Glück für den Müllersohn, das 1609 ein neuer Pastor nach Berne kam, der Mag. Albertus EsseniusAmtszeit 1609-1629. Dieser gründete 1610 eine Katechetenschule in Berne, in welcher Hermann Müller bis 1616 seine lateinische Grundbildung bekam. Mit 13 Jahren verließ er dann Berne um in Helmstedt eine erweiterte Schulausbildung zu erhalten.

Im Jahre 1626 studiert er in Rostock später dann in Leiden (Holland) in dessen Matrikeln er 1634 als “studiosus juris“ genannt wird. Zwischenzeitlich hatte er seinen Namen Müller latinisiert und nannte sich nun Mylius.

Im Jahre 1634 verstarb der oldenburgische Kanzler Johann Prott und eine Sekretärstelle wurde vakant. Noch ohne Abschlussexamen bewarb er sich als Kanzleisekretär in den Dienst des Grafen Anton Günther.

Er erhielt diese Stelle und wurde noch im gleichen Jahr zum Regierungssekretär ernannt.

 

Secretarius Mylius konnte im folgenden das Vertrauen seines Landesherrn erwerben und seine erste diplomatische Aufgabe führte in 1636 nach Wismar um dort den schwedischen Reichkanzler die oldenburger Neutralität zu versichern.

1637 heiratete er Katharina, die Tochter des gräflichen Rentmeisters Johann Mausolius.

Bald musste der Diplomat Mylius u.a. nach Holland, Dänemark reisen, um die Neutralität des oldenburger Grafen in vielen Verhandlungen zu vertreten und den Einmarsch fremder Truppen abzuwehren.  
 

Im Jahre 1642 ernannte ihn dann Graf Anton Günther zum gräflichen Rat
und im Jahr 1647 wurde er Landrichter in Kniphausen bei Jever.  
 

In den letzten Jahren des Dreißigjährigen Krieges hielt er sich lange in Osnabrück auf, um bei den dort stattfindenden Friedensverhandlungen den Anspruch Oldenburgs auf den Weserzoll durchzusetzen.

 

So nahm er dann auch als Gesandter in Münster teil, wo am 24. Oktober 1648 der “Westfälische Frieden“ zwischen dem römisch-deutschen Kaisers Ferdinand III. mit Frankreich und Schweden unterzeichnet wurde, der Dreißigjährigen Krieg galt damit als beendet.

Sein Erfolg, der Friedensvertrag enthielt die Bestätigung des oldenburger Anspruches auf den Weserzoll gegenüber Bremen.

In Anerkennung seiner Dienste schenkte ihn Graf Anton Günther im Jahre 1648 das Gut Gnadenfeld (85ha 170 Jück) in der Gemeinde Seefeld.

Da Bremen sich dagegen wehrte, versuchte er unermüdlich, den Widerstand zu brechen. 1652 gelang es ihm, die Unterstützung fast aller Kurfürsten zu gewinnen und erreichte damit auf dem Reichstag zu Regensburg, dass der Kaiser im Oktober 1652 die Reichsacht gegen Bremen erhob.

Erhebung in den Adelsstand:

Am 28.10.1652 erhob ihn der Kaiser mit dem Prädikat "von Gnadenfeld" in den Adelsstand, eines Hofpfalzgrafen.

1653 lenkte Bremen ein, der sogenannte "Regensburger Vergleich", und akzeptierte den Weserzoll.

1654 erlitt Hermann Mylius von Gnadenfeld seinen ersten Schlaganfall.

1655 starb seine Frau und im November 1657 erlitt er in seiner Oldenburger Wohnung einen zweiten und tödlicher Schlaganfall. Er verstarb im Alter von 54Jahren.

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Die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst,
aus diesen beiden Grafschaften entstand 1774
das Herzogtum Oldenburg 
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Besiedlung 1648 und 1662 und 1678
am Beispiel der
Vogteien Berne, ohne das Kirchspiel Warfleth

 
  1648  1662  1678
  Hausleute Köter Bürger Hausleute Köter Bürger Hausleute Köter Bürger
Berne     40     40
+(6 Freie)
    59
Bernebüttel   3     3   3 5  
Schlüte 20 20   20 28   24 27  
Ollen 10 5   9 5   9 10  
                   
Lechterseite  
  Wehrder 5 4   5 5   5 4  
Bettingbühren 10 19   11 27   10 25  
Ohrt   5     6     4  
Weserdeich   15     19     19  
Ranzenbüttel 12 4   15 5   7 5  
Coldewei               7  
Hannöver 9 12   9 17   9 9  
Hiddigwarden   5     6   6 2  
Katjenbüttel 3     3     3 4  
Harmenhausen 5     5     4 2  
                   
Brookseite                    
  Glüsing 4 7   4 9   6 5  
Neuenkoop 11 27   11 27   10 16  
Hiddigwarden  7 21   7 28   10 21  
Hekeln 18     16     19 16  
Harmenhausen 6 26   6 33   4 12  

 

"Der Weserzoll"  1619 - 1820

Die Grafen von Oldenburg hatten im 16.Jhd. die Gebiete westlich der Weser, die wir heute "Wesermarsch" nennen, als auch das östlich der Weser liegende Land "Würden" endgültig unter ihre Kontrolle gebracht.  
Schon der Großvater von Graf Anton Günter der Graf Anton I
(*1505 +1573) Graf Anton I hatte die Grafschaft als Reichslehen vom Habsburger Kaiser erhalten.hatte versucht die Zollrechte an der Weser zu erhalten. Doch erst im Jahr 1619 erteilt das "Kurfürsten - Kollegium des Heiligen Reiches" dem oldenburgischen Grafen Anton Günther den Weserzoll und am 31.03.1623 erteilt Kaiser Ferdinand II. das Zolldiplom und die Oldenburger können nun von allen flussauf- und flussabwärtsfahrenden Schiffen eine Gebühr zu erheben. 

Oldenburgische Zoll-Rolle  vom 07.08.1623 – Landesarchiv Titel XVI. Nr. 201 –

Ein Schiff LastRoggen, Gerste, Bohnen, Grütze, Mehl, Malz, ZwiebackEinen Gulden
Eine TonneButter, Talg, Honig, Rüböl, Schmalz, eingesalzener Fisch,  Wachsein halber Gulden
HundertSchollen, Rochenein Groschen
1 KisteHutzucker, Fuderzucker ein Gulden
Eine Tonne LastLübisch Bier, Rostocker Bier, Bremer Bierdreiviertel Gulden
Hundert PfundKupfer, Messing, Glockenspeise, Zinnein halber Gulden
EinOchse, Kuh, Pferdvier Groschen
Hundert Backsteine
Ziegel
drei Groschen.
vier Groschen.
Hundert LattenEichen
Tannen 
vier Groschen
Ein eichen und tannen Balkendrei Groschen

So erhebt nun die Grafschaft Oldenburg ab 1623 zunächst in Harrierbrake und später aber noch im Jahr 1624 in Elsfleth den Zoll. Die Stadt Bremen und deren Kaufleute waren somit die leidtragenden. Die Stadt Bremen, militärisch auf dem Wasser überlegen, akzeptierte jedoch nicht diese Zollerhebung und begleitete die Handelsschiffe mit einer militärischer Eskorte. Die bremischen Kriegsschiffe lagen vor Elsfleth und 1637 lässt Graf Anton Günther sogar Soldaten in Elsfleth aufmarschieren.

1648 endet der dreißigjährige Krieg und in den Verträgen zum "Westfälischen Friedens" lässt sich Graf Anton Günter die Zollrechte noch einmal festschreiben. Doch noch immer verweigern die  Stadt Bremen und deren Kaufleute die Zahlung des Weserzolls. Darauf verhängt der Kaiser im Jahre 1652 die Reichsacht gegen Bremen und im "Regensburger Vergleich" erkennt Bremen endlich den Weserzoll an.

Die bürgerlich und kaufmännisch ausgerichteten Hansestadt Bremen muss eine große Last tragen, teilweise betragen die Zolleinnamen 20% des Staatshaushalt der Oldenburger "Cammerkasse".  So betragen 1801 die Zolleinkünften ca. 135.000 Taler.

Bremen bemüht sich natürlich um die Aufhebung des Weserzolls Der Elsflether Weserzoll war nur einer von vielen Weserzöllen. Im Jahr 1800 gab es alleine zwischen Bremen und Hannoversch Münden insgesamt 24 Zollstellen. In Elsfleth stand jedoch die mündungsnahste Zollstation., doch erst im Jahr 1802 wendet sich die Situation. 

Der Reichsdeputationshauptschluss in Regensburg (den Sitz des Immerwährenden Reichstages) beschließt  1802 die Abschaffung der Weserzölle. Zum Ausgleich erhält 1803 die Grafschaft Oldenburg die Ämter Wildeshausen, Vechta und Cloppenburg doch der Herzog Peter Friedrich Ludwig stimmt er zu als er noch eine Verlängerung um weitere 10 Jahre zugesprochen bekommt.
1814 besteht die Zollstation immer noch, man argumentiert das die französische Okkupationszeit angerechnet werden müsse.

1817 fordern die Bremer die Beendigung auf der "Bundesversammlung des Deutschen Bundes", doch erst am 07. Mai 1820 verfügt Herzog Peter Friedrich Ludwig die Einstellung des Weserzolls.

  

Siedlungswillige zieht es nach Stedingen
Zuwanderung ab Mitte/Ende des 17. Jhd.

War bis hierher das ländliche Stedingen durch das Dorf Berne (Handel und Gewerbe) und den Bauernschaften (Hausleute, Köther ) geprägt, siedelten sich nun die "Seefahrer" an. Denn die aufkommende Seefahrt und Fischerei ermöglichte es den nicht erbberechtigt Stedinger Bauernsöhnen, als auch vielen Siedlungswilligen aus den benachbarten hannöverschen Ländern die Chance auf eine Verdienstmöglichkeiten, ein eigenes Haus und damit eine eigene Familie zu gründen.

Zu jedem Hof in Stedingen gehörte damals eine Deichlast, diese wurde bei einer Deichbeschau durch die sogenannten Deichgeschwornen im Frühjahr und Herbst bewertet welche dann entsprechende Auflagen erteilt. Dieser Deichabschnitt musste also durch den Bauern in Stand gehalten werden, konnte der Bauer seine Pflicht nicht erfüllen, musste er den "Spaten stecken" und verlor auch seinen Hof der an den Deich gebunden war. 
Die Stedingerbauern bauten nun kleine Deichkaten und machten mit den Zuwanderern folgende Absprache. 

"Du bekommst die Deichkate bzw. ein Bauplatz und übernimmst dafür alle Deichlasten des Hofes."

<< Sie delegierten ihre Pflichten >>

So bildeten sich eine neue Bevölkerungsschicht, die sogenannten "Deichköther", diese vermieteten ihrerseits an Neuzugewanderte, die man "Häusling" nannte. Bald darauf war die bis dahin die Gesellschaft bestimmenden Bauernschaft zu einer Minderheit geworden.

Diese Deichköther arbeiteten als Bootsbauer, Grönlandfahrer, Matrosen, Steuerleute, Schiffszimmermänner und fuhren im wesentlichen auf oldenburgischen, bremischen und auch holländischen Schiffen zur See.

( siehe Text )
Ausarbeitung über die  Grönlandfahrer


Kehrten diese Seeleute mit ihrer Heuer zurück, so florierten die Geschäfte bei den Stedinger Handwerkern (Schneider, Schuster und Kaufleute).
Blieb der Seemann auf See so bedeutet es für die Witwe und den Waisen oftmals ein Sturz in die Armut.

 

Verwaltung des "Stedingerlandes" ab 1700

Die Vogteien Berne und Altenesch werden zusammen gelegt.
Stedingen ist nun eine Vogtei, die Vogtei "Berne und Altenesch" und weiterhin der Grafschaft Delmenhorst zugeordnet.

Das Kirchspiel Neuenhuntorf gehört zur Vogtei "Wüstenland" und wird von der Grafschaft Oldenburg verwaltet.

  

Das Leben des Burkhard Christoph Graf von Münnich,
oder ein Stedinger schreibt in Russland Geschichte


 

  

geb. am 19.oder 26.Mai 1683 Mai 1683 in Neuenhuntorf in der Grafschaft Oldenburg,
gest. am 8.10.1767 in Sankt-Petersburg (im Alter von 84 Jahren) 

bestattet in St. Petri, später überführt nach Lunia.

Er heiratete in 1.Ehe, am 08.05.1705, Christina Lukcretia Christiane Lucretia von Witzleben von Witzleben, (geb. 25.08.1685, gest. 10.02.1727)
         14 oder 16  Kinder, von denen vier erwachsen wurden:

                         
  • Anthon Günter (* u. † 1707)

  • Ernst Johann russischer Diplomat und Begründer der Eremitage (* 1708 † 1788) oo 1739 Anna Dorothea v. Mengden, Freiin v. Altenwoga

  • Tochter (* u. † 1708)

  • Sophie Anna Louisa (* 1709 † 1772) oo 1729 Albrecht Hermann v. Maltzahn

  • Sohn) (* 1710 † (jung))

  • Christina Elisabeth (* 1711 † 1775) oo 1728 Johann Heinrich v. Mengden, Freiherr v. Altenwoga

  • Sohn ( * 1712 † (jung))

  • Louise Dorothea (* 1713 † 1775) 
    oo I. 1730 Johann Wilhelm v. Schaumberg 
    oo II. 1739 Friedrich Ludwig Graf zu Solms-Wildenfels

  • Sohn ( * 1714 † (jung))

  • Sohn (* 1716 † (jung))

  • Burchard Christoph (~ 1721 )

  • Wilhelmine (* . . . † 1722)

  • Friedrich (* 1724 † 1729)

  • vermutlich drei weitere frühzeitig verstorbene Kinder

Er heiratete dann in 2.Ehe am 28.09.1728 die Gräfin Soltikoff Saltykow bzw. Saltikowa  geb. Freiin Barbara Eleonora von Maltzahn  (geb. 11.06.1691, gest. 03.09.1774), Erzieherin der Großherzogin Elisabeth (spätere Elizabeth I von Russland.).
         1  Kind:

                         
  • Beata (* 1729 † 1738) 

Er wird als Sohn des dänischen Offiziers und Deichgrafen, Anton Günther von Münnich und seiner Frau Sophia Catharina Oetken geboren und trat 1699 in Straßburg als Wasserbaumeister (Ingenieur) in die französische Armee ein.

 

Bei Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) wechselte er als Hauptmann in hessische Dienste und kämpft ab 1705 unter den österreichischern Feldherrn Prinz Eugen Franz von Savoyen-Carignan(* 18. Oktober 1663 in Paris; † 21. April 1736 in Wien). Er nimmt u.a.  an Kämpfen in Italien und Holland teil, wird bei Malplaquet 1709 zum Oberstleutnant befördert und gerät schwer verwundet bei Denain in französische Gefangenschaft (Freilassung 1713).

 

1716 tritt er als Oberst in kursächsische Dienste (d.h. unter polnisch-sächsische Krone) ein , dann im Jahre 1721 wechselt er als Ingenieurgeneral in russische Dienste, wo er zunächst den Bau des Ladogakanals, des Hafens von Kronstadt und der Festungswerke von Riga leitet.

 

Nachdem ihn bereits Peter der Große zum Generalleutnant beförderte, ernannte ihn Peter II. 1727 zum General en Chef und erhebt ihn 25.02.1728 in den russischen Grafenstand.

 

Unter Zarin Anna Iwanowna(* 1693, + 1740)  gewinnt er gemeinsam mit den Reichsgrafen Ernst Johann von Biron und Grafen Heinrich Johann Friedrich Ostermann [seit 1731 Außenminister1742 nach Sibirien von Elisabeth verbannt ] erheblich an Einfluss. So ist er von 1731 bis 1740 Kabinetts-Minister, außerdem wird er 1731 Generalfeldzeugmeister und im folgenden Jahr1732, im Alter von 49Jahren zum Generalfeldmarschall, sowie zum Vorsitzenden des Kriegskollegiums, ernannt.

 

In dieser Zeit reorganisiert Graf von Münnich das russische Landheer und errichtet ein adliges Kadettenkorps.

 

1734 erobert er Danzig, schlägt die Unruhen in Warschau nieder und übernimmt in der Ukraine den Oberbefehl gegen die Türken im 3. russischen Türkenkrieg (1735 – 1739). Unter seinen Befehl wird 1736 die Krim erobert. Es folgt 1737 die Eroberung von Otschakow und ist 1739 siegreich gegenüber den Türken bei Stawutschan. Nach der Eroberung Festung Chotin kommt es am 18. September 1739 zum Frieden von Belgrad, jedoch Russland kann nicht das angestrebte Recht auf freie Durchfahrt für seiner Schiffe auf dem Asowschen und Schwarzen Meer durchsetzen.

 

1740 stürzt Graf von Münnich den Vormund des Thronfolgers Iwan VI. seinen ehm. Verbündeten den Reichsgrafen Ernst Johann Biron von Kurland * 1690, + 1772 wegen Misswirtschaft ("Bironowtschina") und lässt sich zum Premierminister ernennen. Darauf bemüht er sich um ein Bündnis mit Preußen.

Am 04.02.1741 wird er zum Reichsvikariatsgraf ernannt.

Da die Regentin aber Österreich-Ungarn und Sachsen bevorzugte, wird er im Mai 1741 verabschiedet. Im Dezember desselben Jahres, bei der Thronbesteigung der Zarin Elisabeth I., wird er verhaftet und zum Tod verurteilt. 1742 auf dem Schafott begnadigt, wird er seiner Güter enteignet und nach Sibirien verbannt.

(Es folgen 20 Jahre Sibirien )

1762 rehabilitierte ihn Peter III. und als dieser durch Katharina die Große gestürzt wird er zum Generaldirektor der baltischen Häfen ernannt.

 

(Quelle:Text im wesentlichen aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890 entnommen. )

Oldenburg -Dänenzeit
1667 -1773 

Die Könige von Dänemark und die Herzoge von Schleswig-Holstein-Gottorp regierten zusammen bis 1676.
Seit 1676 war dann der König Christian VII. von Dänemark der alleinige Landesherr in Oldenburg. 
Durch den Traktat Ein Traktat (lat. trahere, ziehen bzw. tractare, behandelen) ist eine Abhandlung.  vom 01. Juli 1773 überließ er jedoch die Grafschaft Oldenburg und Delmenhorst an den  Großfürsten Paul von Russland *1754 +1801 aus dem Hause Holstein-Gottorp (dem späteren russischen Zaren Paul I.) . Dieser übergibt dann 1773 die Regentschaft an Friedrich August *1711 +1785 Fürstbischof von Lübeck, seit 1774 Herzog von Oldenburg.

 

Verwaltung des "Stedingerlandes" in der Dänenzeit

Die Grafschaft Delmenhorst wird nun neu gegliedert, die sog. "Landvogtei Delmenhorst" bestehend nun aus der Hausvogtei Delmenhorst und den Vogteien "Stuhr" und  "Berne u. Altenesch".

  
Die Ämter und Vogteien des Herzogtums Oldenburg 
bis zur "Franzosenzeit" 1810
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Jüdische Familien in Stedingen (von 1771 bis 1940)

Zeitlicher Überblick:

1771   Der erste Schutzjude siedelt sich in Berne an
1814  jüdische Schule mit kleiner Synagoge im Hause des Manleib Insel
1827  Das Herzogtum Oldenburg wird in neun jüdische Gemeinden unterteilt (eine Gemeinde ist Berne).
1834  10 jüdische Schüler in Berne
1838  Kauf des Grundstücks an der Hauptstrasse in Berne und Errichtung der Synagoge 
1840  Einweihung der Synagoge
1870  10 jüdische Familien mit ca. 64 Angehörigen. (höchste Population in Berne)
1889   letzter jüdischer Lehrer
1895   Genehmigung des jüdischen Friedhofs
1933-1937  Zeit der Ausgrenzung und Vertreibung (Berufverbote und Diffamierung)

1937   Auflösung der jüdischen Gemeinde
1938   Die Synagoge wird an "Arierer" verkauft und einige Monate später in der Reichspogromnacht 
           holten SA-Trupps die noch verbliebenen Ritualgegenstände aus der
Synagoge und 
           verbrannten diese auf den Sportplatz.

1939   Nur noch 3 Juden in der Gemeinde Berne 
1939-45   Der Holocaust:  7  Personen aus der jüdischen Gemeinde Berne werden in den KZ's ermordet.

Der jüdischen Friedhof (450qm) in Berne-Ranzenbüttel, von 1895-1928, 
mit seinen sechs Grabsteinen erinnert noch heute an die Zeit.

Die mit Berne verbundenen jüdischen Familiennamen sind u.a.:
Koopmann, Levi, Heidemann, Mendel, Meier (Meyer), Goldschmidt ,Benjamin, Katz, Salomon, Insel, Stern, Berg, Mosheim, Ensel, Ahrens, Segel, Frank, Goldstein, Bendit , Rosenbaum


Es begann 1771:
Caiphas Levi ein jüdischer Händler aus Ovelgönne, beantragte einen Schutzbrief des dänischen Königs (Oldenburg stand unter dänischer Verwaltung) für seinen späteren Schwager den "Eljuham B. R. Jhuda" (+10.05.1787 [] Wildeshausen).

Mit diesen Schutzbrief (1. Schutzbrief für Berne ausgestellt am 15.11.1771) konnte der Kaufmann Eljuham B.R..Jhuda seine Frau Merle Levi  heiraten und sich in Berne ansiedeln. Daraufhin eröffnete er ein Manufakturenwaren Geschäft.
Eine Voraussetzung war die Führung eines Familiennamens und so nannte er seine Familie gem. seiner Tätigkeit "Koopmann" 
und ist somit der Stammvater der Familie Koopmann.
Nach seinen frühen Tod 1787 heirate Merle Levi in zweiter Ehe "Moses Heidemann (Heydemann)" aus Delmenhorst.
Von 1794-1796 arbeitete ein Levi Mendel bei
Moses Heidemann als Knecht. Levi Mendel war der Bruder von Moses Mendel(sohn)Mendesohn aus Jever stehen in keinem direkten verwandtschaftlichen Verhältnis zur Familie Mendelssohn aus Berlin, deren Begründer der gleichnamige berühmte Philosoph Moses Mendelssohn ist.
den Stammvater der deutsch-jüdische Kaufmanns-, Gelehrten- und Künstlerfamilie aus Jever /Friesland. 


Den 2.Schutzbrief für Berne erhielt 12.04.1782 Joseph Meier.
Der 3. Schutzbrief wurde später für Isaac Salomon, einen Linnen und Lumpensammler ausgestellt.

Zur Familie Koopmann, die wesentlich das jüdische Leben in Berne prägte:
Merle Levi und Eljuham B.R. Jhuda Koopmann hatten drei Kinder: 
2 Töchter und den Sohn den Elias Koopmann. ( * 22.04.1784 +1860 [] Wildeshausen)
Elias Koopmann (Kuhhandel und Schlachterei), erhielt 1804 den Schutzbrief seines Vaters und heiratete im gleichen Jahr 
(
jedoch verstarb seine Frau nach kurzer Zeit). 
1808 heiratete er dann zum zweiten Mal: Seine zweite Frau war Ester Benjamin, *09.06.1791 +28.10.1881 [] Wildeshausen.

Note:
siehe hierzu auch den Abschnitt: 1813 - zu Beginn der Befeiungskriege - - ein Berner Kaufmann als französische Geisel 

sie hatten insgesamt 13 Kinder, der bekannteste Sohn ist Louis.
Louis Koopmann (Viehhändler und Züchter), ( *1820 +1895 [] Berne) dieser heiratete Amelie Goldschmidt ( *1827 +1897 [] Berne)
Seine Kinder sind:
# Leopold (*1854 +1927 [] Berne) heiratete Sahra Katz (*1861 +1942 im KZ Theresienstadt)
    drei Kinder
        ## Louis, Dr. jur. * 1888 +1966 (Rechtsanwalt, später Landwirt und Viehzüchter) 
               1938 kurzzeitig in KZ Buchenwald inhaftiert, floh dann 1939 und emigrierte über Holland 1940 in die USA.
                Er heiratete Sinni Scheiner und das Kind dieser Ehe ist der Sohn Ernest H. Koopmann *1947
       ## Ernst ( *01.03.1891) gefallen 25.09.1915 im 1.WW
       ##  Erna * 1892 heiratete 1923 Dr. Eduard Berg ( Rechtsanwalt , Hildesheim),
               die Tochter dieser Ehe ist ###Renate (verh. Neemann). 
               Die Familie musste 1938 nach Holland fliehen, wurden dort versteckt und überlebte. 
               Sie konnten erste nach Ende des 2.WW, im Jahr 1946, in die USA auswandern.
# Albert (Web- und Wirkwarengeschäft in Berne) 1857 +1928 [] Berne 
     heiratete 1892 Ida Meyer (*1870 in Berne +1943 KZ Theresienstadt) (Urenkelin des Joseph Meier) 
     ## Ella *1896  +1971 (sie kam 23.02.1945 ins KZ Theresienstadt und überlebte) heiratete 
     Hermann Türk (EV) 1945 -1946 war dieser Bürgermeister von Berne. 
     Sie hatten eine Tochter ###Eleonore *1928 +2008
# Harry (übernahm das elterliche Manufakturengeschäft in Berne, wechselte später jedoch nach Bremen.)

Eine weitere Berner Jüdin dieser großen Familie, welche den Holocaust nicht überlebte, war:
Minna Koopmann, *03.06.1867 in Berne sie und ihr Ehemann Max Mosheim lebten damals in Peine.
Beide wurden deportiert und starben am 28/29.09.1942
im KZ Treblinka.

Zur Familie Meyer:
Joseph Meier, erhielt 12.04.1782 den 2.Schutzbrief für Berne
seine Söhne sind Abraham und Salomon Meyer.
weitere Familienangehörige sind:
Pauline Rosenbaum, verh. Meyer *1848 +1925 [] Berne
Clara Meyer verh. Examus,  *1877
Gustav und Elsa Meyer (Schlachterei in Berne Langestr.) und deren Kinder Alfred und Hanna mussten 1938 nach Südafrika emigrierten.

Zur Familie Frank:
Ein weiterer bekannter jüdischer Bürger in Berne war der Photograph, Turnwart und  Mitbegründer der Feuerwehr-Berne 
Louis Frank, *1835 +1917 [] Berne, dieser war verheiratet mit Friederike Bloch *1845 +1902.

 

Herzogtum Oldenburg
1774 -1829 

Nach Beendigung der Dänenzeitnach dem Tod Anton Günthers folgenden die "Dänenzeit" im Jahre 1773, wird 1774 das "Herzogtum Oldenburg"besteht aus zwei Landesteilen, den Grafschaften Oldenburg / Delmenhorst und dem Fürstbistum Lübeck Oldenburg wird durch das kaiserliches Patent vom 27.12.1774 zum Herzogtumaus den Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst unter Friedrich August Friedrich August von Holstein-Gottorp (jüngere Linie), Fürstbischof von Lübeck gest. 06. Juli 1785 erhoben.
(
siehe Link zur "Oldenburgische Gesellschaft für Familienkunde)
siehe dort auch die Aufteilung der Kirchspiele: u.a.  Berne, Neuenhuntorf, Holle, Warfleth, Bardenfleth, Altenesch, Schönemoor, Hude

 
Die Stedinger Kirchspiele  
und die benachbarten Kirchspiele
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Am 06.07.1785 folgt Peter Friedrich Ludwig Aus dem Hause Holstein-Gottorp, regiert 1785-1829. gest. 21. Mai 1829, als Landesadministrator für Friedrich Augusts geisteskranken Sohn (Peter Friedrich Wilhelm *1754 +1823) und wird nach dessen Tod 1823 Herzog von Oldenburg und somit zum Stammvater der Oldenburger Regneten.

 

Der 2. Stedinger - Chronist: "Gerhard Steinfeld",
ein Pastor im Kirchspiel Altenesch Pastor in Altenesch von 1806-1846 , 
 er erstellt viele Statistiken und berichtet über die Jahre 1806-1846 

Gerhard Steinfeld * 17.11.1769 +17.01.1846  kam 1806 nach Altenesch und dokumentierte, bis zu seinem Tode, 40Jahre lang die Geschehnisse im Stedingerland. 
Diese "Steinfeld / Stedingerchronik" ist 1999 als Buch veröffentlicht worden.

 

Schmuggel und Schleichhandel während der "Kontinentalsperre"
1806-1811

Vorgeschichte: 1803 okkupiert General Mortier auf Napoleons Befehl, das Kurfürstentum HannoverDamit standen sich Frankreich und Preußen direkt gegenüber sowie die hamburgische Exklave Ritzebüttel (Cuxhaven).  Nun war General Mortier in der Lage die Schifffahrt auf Weser und Elbe zu kontrollieren und englische Schiffe zu beschießen oder aufzubringen. 
 
England antwortete mit einer Blockade der Weser- und Elbemündung.
 

Am 21.Oktober 1805 fand dann die Seeschlacht  beim Kap Trafalgar zwischen England und  Frankreich/Spanien bei der die britische Royal Navy unter Vizeadmiral Horatio Nelson die  franz/span. Flotte vernichtend schlägt. Napoleon war nun nicht mehr in der Lage, die uneingeschränkte Seeherrschaft Großbritanniens zu gefährden auch musste er seine Invasionspläne für die Britischen Inseln aufgeben.
Ende 1805 wird Hannover an den preußischen Staat (Bündnispartner) abgegeben, doch nur für kurze Zeit. Denn es kommt zum Krieg und nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt (14.10.1806) übernimmt die französische Regierung erneut Hannover
(Preußen muss die Hälfte des Staatsgebietes abtreten). 

Quelle Wikipedia: Maler David, Jacques-Louis Ausschnitt: Napoleons in seinem Arbeitszimmer -Gemeinfrei-Kaiser Napoléon I.
NapoleonKaiser Napoléon I. ( von 1804-1814 )  errichtete dann im Jahr 1804 das Kaiserreich Frankreich und verhängt am 21.11.1806 die "Kontinentalsperre" Der Begriff Kontinentalsperre wurde zum ersten Mal im 15. Bulletin der Großen Armee, veröffentlicht am 19. Oktober 1806, von Napoleon erwähnt gegenüber Großbritannien1803 erklärte Großbritannien Frankreich den Krieg da diese  ihrerseits versucht hatten Frankreich von seinen Kolonien abzusperren. Wurde diese "Kontinentalsperre" anfangs von den norddeutschen Staaten (Statthalterregime Ostfriesland / Oldenburg)  kaum befolgt, so änderte sich dies als das Kaiserreich Frankreich die Zoll- und Küstenüberwachung im Jahre 1807 übernahm und an der  Küste eine Kette von Überwachungsstationen einrichtet.  (alle halbe Stunde  stand ein Schilderhäuschen)


Zwischen Varel und Eckwarden (27,5km) standen nachweislich 11 Schildhäuser.
d.h. alle 2,5km ein Schildhaus !

Der Handel mit englischen Waren war von nun an verboten.

Décret Impérial Dekret im Rang eines Reichsgrundsatzes ( Principe fondamental de l'Empire) , qui déclare les Iles Britanniques en état de Blocus (Berlin le 21. Novembre 1806)

Wir Napoleon, Kaiser der Franzosen, König von Italien etc. erkläre hiermit:
England verletzt das Völkerrecht, wie es von den anderen Völkern allgemein anerkannt wird;
England sieht jeden Untertanen des feindlichen Landes als Feind an und erklärt demgemäss nicht nur die Mannschaften der Kriegsschiffe, sondern auch die der Handels- und Kauffahrtenschiffe, die Handelsagenten und Kaufleute als kriegsgefangen;
England erstreckt seine Eroberungsrechte, die nur auf Staatseigentum anwendbar sind, auf die Schiffe, die Waren und den Besitz von Privateigentümern;
England missbraucht das Blockaderecht, das nach der Ansicht der anderen Völker nur auf befestigte Plätze anwendbar ist, indem s dasselbe auf Städte, Handelshäfen und Flussmündungen, die nicht befestigt sind, ausdehnt und Plätze für blockiert erklärt, vor denen es nicht ein einziges Kriegsschiff unterhält, während doch die Blockade eines Ortes nur dann effektiv ist, wenn er so eingeschlossen ist, dass man sich ihm nicht ohne drohende Gefahr nähern kann;
England erklärt selbst ganze Küsten und Länder für blockiert, die so ausgedehnt sind, dass seine ganzen vereinten Seestreitkräfte nicht hinreichen würden, die Blockade auszuführen.
Diese missbräuchliche Auslegung des Blockaderechts hat nur den einen Zweck, den Verkehr zwischen den anderen Völkern zu beeinträchtigen und dem englischen Handel auf Kosten des Handels aller Völker des Kontinents Vorteile zu verschaffen.
Da dieses offenbar der Zweck Englands ist, so macht sich jeder, der auf dem Kontinent englische Waren vertreibt, zu einem Mitschuldigen.
Das Verhalten Englands, das an die fernsten Zeiten der Barbarei erinnert, hat dieser Macht zum Schaden der anderen ungeheuren Vorteil verschafft.
Dem Feinde muss man mit denselben Waffen beizukommen suchen, deren er sich bedient, muss seine eigne Kampfesweise anwenden, wenn er alle Ideen von Gerechtigkeit und alle freisinnigen Gefühle, das Ergebnis der menschlichen Zivilisation, mit Füßen tritt.
Wir beschließen daher, auf England dieselben Gebräuche anzuwenden, die es in sein Seerecht aufgenommen hat, solange England nicht ein und dasselbe Kriegsrecht für Land und See anerkennt, das sich auf Staatseigentum beschränkt und Privateigentum schützt, und verfügen, was folgt:

Artikel I. Die britischen Inseln befinden sich im Blockadezustand.
Artikel II. Jeder Handel und jede Korrespondenz mit den britischen Inseln sind untersagt. Alle Briefe und Pakete, die nach England oder an Engländer adressiert oder in englischer Sprache geschrieben sind, werden vom Postverkehr ausgeschlossen und konfisziert.
Artikel III. Jeder englische Untertan, welchen Standes er auch sei, wird gefangengenommen, wenn er in Gebieten angetroffen wird, die von unseren Truppen oder denen unserer Verbündeten besetzt sind.
Artikel IV. Jedes Magazin, jede Ware, überhaupt jeder Besitz, welcher Beschaffenheit er auch sei, der einem englischen Untertan gehört, wird als gute Prise erklärt.
Artikel V. Der Handel mit englischen Produkten ist verboten. Jede Ware, die England gehört oder aus seinen Fabriken und Kolonien stammt, wird als gute Prise erklärt.
Artikel VI. Die Hälfte des Ertrages aus den Konfiszierung der als gute Prise erklärten Waren und Besitztümer soll verwandt werden, um die Kaufleute zu entschädigen, die durch Wegnahme ihrer Handelsschiffe durch englische Kreuzer Verluste erlitten haben.
Artikel VII. Schiffe, die direkt von England oder englischen Kolonien kommen oder sich daselbst nach der Veröffentlichung dieses Dekretes aufgehalten haben, werden in keinem Hafen zugelassen werden.
Artikel VIII. Ein Schiff, das sich einer falschen Erklärung bedient, um dieser Bestimmung zu entgehen, wird mit Beschlag belegt. Schiff und Ladung werden konfisziert, als ob sie englisches Eigentum wären.
Artikel IX. Unser Prisengerichtshof in Paris entscheidet über alle Streitigkeiten, die in unserem Reiche oder in den von französischen Truppen besetzten Ländern über die Ausführung dieses Dekretes entstehen könnten. Unser Prisengerichtshof in Mailand ist zuständig, soweit unser Königsreich Italien dabei in Frage kommt.
Artikel X. Von diesem Dekret wird unser Minister des Äußeren den Königen von Spanien, Neapel, Holland und Etrurien und unseren anderen Verbündeten Mitteilung machen, deren Untertanen, wie die unsrigen, Opfer der Ungerechtigkeit und der Barbarei des englischen Seerechts geworden sind.
Artikel XI. Wir beauftragen unsere Minister des Äußeren, des Krieges, der Marine, der Finanzen, der Polizei und unseren Generalpostmeister, einem jeden in seinem Bereich, mit der Ausführung dieses Dekrets.

Napoleon.

http://fhh1.hamburg.de/fhh/internetausstellungen/hambourg-france/d/17_publicandum_21.11.06.gif
Veröffentlichung in Hamburg 21.11.1806 "Beschlagnahme englischer Waren "  

HelgolandBis 18o7 gehörte Helgoland zum Königreich Dänemark wurde im Jahr 1807 von den Engländern eingenommen und war nun eine britische Insel. Von dort versuchte man nun den Warenhandel (z. B. Baumwolle, Gewürze, Kaffee, Tee, Zucker) mit Deutschland weiter zu führen. Außerdem nutzen die Engländer Helgoland als Stützpunkt, um von dort aus die deutsche Schifffahrt von der Weser und Elbe in die Nordsee  zu blockierten.
(Angeblich sollen in dieser Zeit täglich bis zu 400 kleine Schmuggler-Schiffe Helgoland angelaufen haben.)

Szenario an der Küste und Wesermündung:
Im Schutze der Nacht lassen sie sich die Schmuggler in Flachbooten und kleinen Fischerbooten mit dem Ebbstrom aufs Meer hinaustreiben. Erst auf See, außerhalb der Sichtweite der französischen Wachen, setzten sie die Segel und erreichen normalerweise noch in der Morgendämmerung Helgoland. Dort kauften die Schmuggelfahrer die begehrten englischen Waren.  Nachdem dann die Schmuggler am Abend zurück kehrten, begann der zweite und ebenso gefährliche Teil der Schmuggelei, die Waren im Binnenland zu verkaufen. Dies alles erforderte eine gute Organisation und Verschwiegenheit der Beteiligten, denn die  Zollbeamten (Douanier) und Soldaten durchsuchten immer wieder Läden und Häuser nach englischen Erzeugnissen.
Die Flussschifffahrt auf Ems, Weser, Elbe, Jade und Hunte war ein Teil des Verteilungssystem und die Schiffer (auch die Stedinger) profitierten vom Schleichhandel.

In dieser Zeit hätten die Seefahrenden Stedinger eigentlich ohne Einkommen sein müssen.
Doch Pastor Steinfeld berichte in seinen Aufzeichnungen:

im Jahre  1810

"Unsre Seefahrenden befanden sich größentheils in Verdienst und erhielten hohe Gage, ein Matrose 18-20 Rthl. im Monat, ein Steuermann 30Rthl. ja sogar in England 40-45 Rthl. pr. Monat. - Aber verschiedene kehren auch ohne Verdienst zurück und hatten zum Theil das Ihrige ganz verloren, so Capit. Frer. Ballehr, dessen Schiff von einem französischen Kaper in Amsterdam und Harm Koch und Meinert Wilmsen deren Schiffe die sich unter englischer Convoy befanden bey Nacht von französischen Kapern aufgebracht waren ......"

Doch dies war auch die Zeit der Schmuggler, welche die Kolonialwaren mit keinen Booten von Helgoland zur Küste brachten. 
So hatten auch wagemutige Schiffer aus Stedingen, auch in dieser Zeit, eine  gefährliche Einnahmequelle.

Anordnungen zur Unterbindung des Schleichhandels an der Küste:

  • Schiffe durften nur noch am Tage be- und entladen werden;
  • Der Schiffer benötigte einen behördlichen Erlaubnisschein zum auslaufen;
  • Alle Fischer mussten um ein Uhr nachts zurück sein;
  • Schiffe die von Helgoland kommen werden beschlagnahmt und der Kapitän mit dem Tode bestraft;
  • und auch der Mannschaft drohte die Todesstrafe oder franz. Seedienst bzw. Gefängnis.

Der Schmuggel oder Schleichhandel endete mit Beginn der "Franzosenzeit" in Oldenburg unter "Frédy de Coubertin"Frédy de Coubertin, Großvater von Pierre de Coubertin - Reanimateur der Olympischen Spiele - durch zwei einschneidende Maßnahmen:

1) eine Militärgerichtsverhandlung als Exempel

2) durch die Aushebung der seefahrenden Bevölkerung zum Militär.
           ==> siehe den Textabschnitt unter den Kapitel "die Franzosenzeit"

zur Militärgerichtsverhandlung:

Es ist der 27. 03. 1811 als die Militärbehörden in der Kreishauptstadt Oldenburg sieben Männer wegen "Verrätherey mit dem Feinde" vor Gericht stellt.

-  Den in Bardewisch (Stedingen) geborenen Captain Nicolaus Koch, wohnhaft in Brake;
-  Den in Motzen (Stedingen) geborenen Schiffsbaumeister Heinrich Oltmanns, wohnhaft in Brake;
-  Den Segelmacher Gerhard Block, wohnhaft in Brake;
-  Den Captain Heinrich Kimme, geborenen und wohnhaft in Brake;
-  Den Captain Adam Remken;
-  Den Tagelöhner Christoph Wispler, wohnhaft in Oberdeich;
-  Den Gastwirt Reelf Meentzen zu Schweyerfeld.

Gegen Koch und Remken wurde in Abwesenheit verhandelt. "Waren sie auf der Flucht?"
Denn beide wurden für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.

Die anderen Angeklagten befand man als nicht überführt und sie wurde darauf sofort frei gelassen.

Dieses Urteil, gegen die Braker Kapitäne, wegen des Schmuggels, wurde mit Bekanntmachungen, Plakaten und Anschlägen veröffentlicht und zeigte den Einwohnern das Risiko auf, welches ein Verstoß gegen die Kontinentalsperreverordnung brachte.

 

Der "schwarze Herzog" durchquert Stedingen
05.-06.08.1809
wikipedia: Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels, genannt der Schwarze Herzog, gemalt im Jahr 1809, Pastell auf Holz/Pergament, 37x30cm

Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Oels, genannt "der schwarze Herzog" *09.10.1771 + 16.07.1815 bei Quatre-Bras in Belgien gefallen war nomineller Herzog von Braunschweig und einer der deutschen Heerführer während der napoleonischen Kriege. - Er verlor das Herzogtum Braunschweig während der französischen Besetzung von 1807 bis 1813 an das Königreich Westfalen welches, Napoléon Bonaparte nach dem Frieden von Tilsit schuf. 
Beim Ausbruch des österreichisch-französischen Krieges 1809 heuerte er ein Freicorps an und bahnte sich nach dem österreichisch-französischen Friedensschluss seinen Weg über Braunschweig zur Nordsee um sich dort mit der englische Armee des Georg IIIGeorg III. Wilhelm Friedrich (* 04.07.1738 + 29.01.1820 in Berkshire, Schloss Winsor). Regent von 1760 - 1820 als König von Großbritannien und Irland sowie Kurfürst von Hannover. Georg Wilhelm Friedrichs ältester Sohn, der spätere König Georg IV übernahm als Prinzregent die Regierung von 1788-1789 und ab 1811. zu verbündenseit 1803 versuchten englische Werber ehemalige Soldaten von "Hannover-Land" für die englische Armee zu werben.
(Von Zwickau bis Elsfleth in 2 Wochen (12 Marschtagen) mit einer durchschnittlichen Tagesdistanz von 42km.)

Dieses "Herzoglich Braunschweiger Korps", wegen seiner überwiegend schwarzen Uniform auch "Schwarze Schar" / "schwarzen Husaren" genannt, zog über Böhmen, Leipzig, Halle, Halberstadt, Braunschweig, Hannover, Delmenhorst durch Stedingen nach Elsfleth und Brake, wo die Einschiffung nach England gelang.

Verfolgt durch die "Westfälischen Corps" von Napoleons jüngsten Bruder Jérome Jérome Napoleon Bonaparte - 1784-1857 (König von Westfalen)  und den "Holländischen Corps" unter "Gratine" von Napoleons dritten Bruder LouisLouis Bonaparte (Buonaparte), König von Holland (Reg. Zeit 1806-1810), dritter Bruder Napoleons, * 02.09.1778 +25.07.1846 .

Um 23:30 am 5.August erreichten die ersten Husaren bei Ochtum das Stedinger-Gebiet. Um 1Uhr Morgens erreichet dann der "der schwarze Herzog" mit seiner Kavallerie den Übergang an der Ochtum. Im Laufe des Vormittags des 6.August zogen dann die Infanterie (größtenteils auf erbeuteten Wagen) durch Stedingen und über Huntebrück nach Elsfleth. Gegen 16:00 folgten dann die Husaren als Nachhut.

Ca. 1600 Mann (Husaren und Infanterie) schifften sich am 7.August in Elsfleth "els" Niederdeutsch Erle, "Fleth" Mündungpunkt eines Nebenfusses ein und begaben sich über Helgoland zur Isle of Wight, um sich mit der britischen Armee von Wellington zu vereinigen. Das Freikorps ging dann auf in die  "Königlich Deutschen Legion" unter Befehl seines Schwagers, des späteren Königs Georg IV Georg IV. August Friedrich (* 12.08.1762 + 24.06. 1830 in Berkshire, Schloss Winsor ). Regent von 1820 - 1830 als König von Großbritannien und Irland sowie Kurfürst von Hannover . und wurde in Spanien und Portugal größtenteils aufgerieben.

eine kleine Anekdote am Rande:Den von Herzog Oels gerittenen Araber-Schimmel kaufte ein H. Menke für 9 Pistolen (45Taler).
Dann wurde der Schimmel für 11
Pistolen (55Taler) an den Kaufmann  Orth verkauft,
dieser verkaufte ihn
für 60 Pistolen (300Taler) nach Bremen
an einen Herrn Schröder
und dieser verkaufte ihn letztendlich 120 Pistolen (600Taler).

 

 

 Bekleidung:

schwarze Schuhe und Gamaschen, schwarze Hose mit blauer Biese, schwarzen Rock mit hellblauen Kragen .
Die Husaren trugen einen Tschako aus schwarzem Filz mit Lederbesatz und schwarzledernen Sturmbändern. 
Daran ein schwarzer Roßschweif und ein weißmetallener Totenkopf über gekreuzten Knochen.
-

Erst am 8. August erreichten die "Westfälischen Corps" das Stedingerland und als diese dann Elsfleth ereichten, konnten sie nur die zurückgelassen Wagen der "Schwarze Schar" annektieren. 
Damit hatten die  Stedinger "großes Glück", das es hier nicht zum Gefecht kam und damit nach 575 Jahren zu einer weiteren Schlacht auf Stedinger Boden.

Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Oels fiel am 16.06.1815 in der Schlacht bei Quarte-Bras (Belgien) , südlich von Waterloo. 

Zwei Tage später am 18.06.1815 verlor Napoleon Bonaparte seine letzte Schlacht bei Waterloo gegen die britisch-niederländisch-deutschen Truppen von General Wellington und Feldmarschall Blücher.
(Es kämpften ca. 190.000 Mann auf beiden Seiten und ca. 47.000 Mann fielen in der Schlacht.)

 

Die Franzosenzeit, 
das Herzogtum Oldenburg wird in das "Department WesermündungDepartment Bouches du Weser" okkupiert
besetzt
und gehörte zu den drei "Hanseatischen Departements"
1810-1813

Im franz.-russischen VertragNapoleon / Zar Alexander II von Tilsit (7.Juli 1807) nach der Schlacht bei Friedland (Ostpreußen) 14.07.1807  garantierten Russland und Frankreich gemeinsam die Souveränität des Herzogtums Oldenburg, werden Teil des Rheinbunds (Confédération du Rhin) Rheinbund im Wesentlichen ein Militärbündnis deutscher Staaten mit Frankreich. 
Im Jahre 1810 unterlief Russland u.a. dann das Vertragswerk, indem es neutralen Schiffen erlaubte, britische Waren in seinen Häfen zu löschen. Darauf  erklärte das franz. "Senatus-Consultum"  das Herzogtum Oldenburg zum "unverrückbaren Bestandteil des französischen Imperiums" um die Interessen der französischen Handelspolitik besser durchsetzen zu können, ebenfalls ein Vertragsbruch des Friedensvertrages. 

NapoleonNapoléon Bonaparte (* 15. 08.1769, + 5.05.1821) war als Napoléon I. französischer Kaiser von 02.12.1804-11.04.1814 annektiert das Herzogtum am 13. Dezember 1810 zu Frankreich, diese Franzosenzeit dauerte jedoch nur drei Jahre, den nach der Niederlage Frankreichs1813 endgültige Niederlage der Franzosen in der Völkerschlacht bei Leipzig wurde das Herzogtum Oldenburg wieder hergestellt.

Der
regierende Landesadministrator "Peter Friedrich Ludwig" geht ins Exil
nach Russland (27. Feb. 1811) und am 28. Feb 1811 übernimmt "Bonaventure Julien Fredy de Coubertin"*1788 +1871 Frédy de Coubertin, Großvater von Pierre de Coubertin - Reanimateur der Olympischen Spiele -für kurze Zeit als LandratUnterpräfekt bzw Sous-Préfet die Amtsgeschäfte im  "Arrondissement Oldenburg".  
Anmerkung: Kurz zuvor am 16.Feb 1811 hatte
Fredy de Coubertin, der ehm. Konsul von Cuxhaven,  als bremischer 'Auditeur des Staatsrates' die franz. Sektionschefs in der WittheitsstubeBremer Rathaus vereidigt und damit die Bremer-Ratsherrschaft beendet.
Auf de Coubertin folgt in Oldenburg: Dr. Johann Pavenstedt (1812); Amadée-Pierre Perrier (1812); Pierre-Emmanuel Frochot (1812-19.03.1813)

Der Präfekt des Wesermündungsdepartments ist Charles Phillipe Alexandre d'ArbergKarl Phillip Alexander von Arberg, *1778 +1814, welcher von Hamburg aus regierte.1811-13

Quelle – P l e i t n e r , Oldenburg im 19. Jahrhundert. Oldenburg 1899, S. 145. –
Proklamation, Oldenburg, den 28. Februar 1811
F r a n z o s e n !
Mit diesem schönen Namen grüße ich Sie, Bewohner dieser Gegenden, jüngst noch Oldenburger!
Das organische Senats-Konsult vom 13. Dezember 1810 hat Sie an das gemeinschaftliche Vaterland der großen Nation aufgenommen, und es ist:
Im Namen seiner Majestät des Kaisers der Franzosen, Königs von Italien, Protektors des Rheinischen und Vermittlers der Schweizer Bundes, daß ich durch diese feierliche Handlung Besitz von dem Lande nehme, welches innerhalb der Grenzen des vormaligen Herzogtums Oldenburg liegt, sowie auch der davon umgebenden Herrlichkeiten und Besitzungen, um auf ewig mit Frankreich vereinigt zu sein und zu bleiben.
Hinfort durch unauflösliche Bande an die zahllose Familie der Franzosen gebunden, werden Sie, unter der väterlichen Regierung des Größten und Besten der Fürsten, des hochbeglückten Frankreichs ruhmvolle Verhängnisse mit den älteren Söhnen des Vaterlandes teilen.
Unter der Aegide der Stärke, der Weisheit und des Genies werden neue Quellen von Wohlsein sich Ihnen eröffnen, Jene öden Heiden, jene scheußlichen Wüsten, die noch die Hälfte Ihres Bodens decken, werden der Kultur anvertraut, bald mit Waldungen und zum Teil mit Aehren sich schmücken. Ihre Fabriken und Manufakturen, bisher durch Englands selbstsüchtigen Alleinhandel gelähmt, werden neu aufblühende Lebenskraft aus einer Gesetzgebung saugen, die zum Schutze der National-Industrie vorhanden ist. An die Stelle Ihrer sogenannten Landstraßen, jetzt der Schrecken der bei jedem Schritte aufgehaltenen und mit Gefahren bedrohten Wanderer, werden bequem und leicht zu passierende Verbindungen treten. Das mit dem Rhein in Verbindung gebrachte baltische Meer wird dem Handel eine neue Bahn aufschließen und Ihnen Vorteile gewähren, die Sie nicht ferner durch schändliche Ketten und der Meeres-Tyrannei unterwürfige Knechtschaft erkaufen werden. Jeder von Ihnen, ohne Ausnahme und Unterschied, hat sich hierfür des vollen Genusses aller seiner bürgerlichen, politischen und religiösen Rechte zu erfreuen, und die kraft- und machtvolle Hand, welche im alten Frankreich die Ketten der Sklaverei brach, das Ungeheuer der Anarchie zerschmetterte, aus dem Heiligthum der Tempel den Fanatismus und die Intoleranz verbannte, sichert ihnen auf immer, unter dem Zepter der Ordnung und der Gesetze, das schöne Erbteil der Franzosen zu: Ruhe und Glückseligkeit.
Neu vereinigte Franzosen! Es ist für mich ein mit meiner Sendung verbundener, süßer Auftrag, dem zufolge ich Sie vom Wohlwollen Seiner Majestät des Kaisers versichere, welcher in seiner ausgezeichneten Güte gegen Sie nicht zu zweifeln geruht, daß Sie Seiner Huld und Gnade durch Ihre Unterwürfigkeit, Ihre Liebe und Ihre Ergebenheit würdig machen werden.
Ja! Sie werden diesen glänzenden Beweis, das Vertrauen des Monarchen zu verdienen wissen, die guten Gesinnungen, wovon sie beseelt sind, verbürgen meine Zuversicht: und auf diese Überzeugung, auf die Heiligkeit der Eide gestützt, welche Ihre ersten Staatsbeamten für sich und für Sie Ihrer Majestät dem Kaiser, unserem allergnädigsten Herren, geschworen haben, werde ich die Huldigung Ihres Gehorsames und Ihrer Treue an die Stufen des ersten Thrones der Welt niederlegen.

Oldenburg, den 28. Februar 1811
Der Präfekt des Ober-Ems-Departements, Ritter der Ehrenlegion, Kaiserlicher Kommissär zur Besitznahme des ehemaligen Herzogtums Oldenburg und der davon umgebenden Besitzungen:
Charles Louis Joseph de Keverberg 
Charles Louis Joseph de Keversberg, Präfekt des Oberemsdep.s, 1811-14

In der Stadt Oldenburg ("Mairie d`Oldenbourg") setzte die französische Verwaltung den Advokaten Johann Wiegand Christian Erdmann (1764-1842) als Maire (Bürgermeister) ein.Stadtarchiv Oldenburg bei Best. 262-1 A Nr. 1423, 1424, 3822, 3823, 3833, 3876, 4014 und 4015  
In der Stadt Bremen ("Mairie d`Brême") setzte die französische Verwaltung den Prof. Dr. Wilhelm Ernst Wichelhausen (1769-1823) als Maire (Bürgermeister) ein.01.07.1811-1813  

Am 17. April mussten die Stedinger (die Pastoren, Kirchjuraten, Landesbeeidigte, Deichgeschworenen, Vögte, Armenväter und ...) nach Campe (bei Berne) und in die Hand des Assessors Epping den Treueid auf den Kaiser Napoleon und Frankreich abgeben.

Stedingen wird zum Canton "Berne" (7926 Einwohner) und in drei Mairen aufgeteilt:
1.   Maire Berne( Kirchspiel: Neuenhuntorf und Berne )
2.   Maire Warfleth( Alles Land an der Weser, von Ohrt bis Lemwerder )
3.   Maire Bardewisch(  Hekeln, Harmhausen und das Kirchspiel: Bardewisch und Altenesch)



Aushebung der "Seefahrenden Männer" zur französischen kaiserlichen  Kriegsmarine

Nun waren die Oldenburger und Stedinger "französische Staatsbürger" und für diese galt eine allgemeine Wehrpflicht (Conscription). 
Am 02.März 1811 hatte Kaiser Napoleon I ein kaiserliches Decret erlassen, das aus den 3 "Hanseatischen Departements" 3000 Seeleute  im Alter von 20 - 50 Jahren ausgehoben werden. Jedoch gab diese Verordnung auch ein sozial abgestuftes Auswahlkriterium vor.
Folgende Abstufung sollte dabei beachtet werden:

1.) unverheiratete Männer
2.) Witwer, ohne Kinder
3.) verheiratete Männer, ohne Kinder
4.) Familienväter

Am 13.April erhielten die Bauerngeschworenen die Order, das sich alle Männer "die sich mit der Schifffahrt beschäftigen" am 2. Ostertage (dem 15.April)  in  Campe (bei Berne) beim Assessors Epping  einfinden mögen. Aus den Kirchspiel Altenesch meldeten sich darauf 50 Männersiehe Aufzeichnung, Pastor Steinfeld, in der Annahme sie sollten sich nur in Liste eintragen, doch wurden sie von dort sofort kaserniert  (ohne das o.g. Auswahlkriterium zu beachten).
Von Campe wurden dann diese Männer, unter BewachungAbordnung des 8. Husarenregiement, direkt ins Oldenburger Schloss überführt. 
(Das Oldenburger Schloss stand zu diesen Zeitpunkt leer und war als das größte Gebäude und nach Ansicht der Militär- und Zivilbehörden am besten geeignet, die 500 Männer aus allen Oldenburger Landesteilen aufzunehmen.)

So waren in Stedingen plötzlich über 50 Männer (davon etwa die Hälfte Familienväter) eingezogen und die Familien ohne ihren Ernährer.

 

 Deserteure

Doch nicht jeder wollte in den Krieg ziehen und desertierten, jedoch mussten dann die Familien Strafgelder zahlen. So kam es u.a. zu folgenden Aufruf zur Ergreifung eines Deserteurs aus dem Kirchspiel Warfleth:

                                       
Der Conscribierte zum Wehrdienst einberufener Rekrut Tönjes Meyer, soll sich unter dem Namen seines Bruders, Hinrich Meyer, dessen Geburtsschein er bei sich führt, in den Kantons des Butjadingerlandes aufhalten. Alle Einwohner und vorzüglich die Herren Maires Bürgermeister , sind von den Unterzeichneten, welche täglich 8 Franken Exekutionskosten Strafgeld für ihn bezahlen müssen, dringend ersucht, genau auf denselben zu vigilieren, und ihn im Betretungsfalle sofort arretieren verhaften zu lassen .

            Mairie Warfleth, den 5. August 1813
            J. H. Bulling.      R. Hayn

 

1813 - zu Beginn der Befeiungskriege - Quelle: Jüdische Familien in Berne..., W. Vahlenkamp – 1994- Aufzeichnung Pastor G Steinfeld
- ein Berner Kaufmann als französische Geisel -

Nach der Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug 1812, begann die Zeit der Freiheits- bzw. Befreiungskriege in Deutschland. 
Auch im Department Wesermündung beginnt sich im März 1813 der Widerstand gegen französische Fremdherrschaft zu formieren. 
So meutern am 17.März die zwangsverpflichteten deutschen Soldaten der französischen Küstenbatterie in Blexen. 
Die einzigen Franzosen dieser Stellung (vier an der Zahl), den Granden, der Kommandant, ein Kanonier-Capitain und ein Sergant-Major wurden vertrieben.

Es kam zu Übergriffen und Plünderungen in den einzelnen Marien des Departments.

Doch noch ist Napoleons Macht nicht gebrochen und es wird der Ausnahmezustand über das Department Wesermündung verhängt.
Am 22. März erlässt der General Claude Carra St. Cyr
Commandant der 32. Militär Division den Befehl gegen die „Störer und Räuber“ zu marschieren.
Am 24. März wird von Bremen aus eine französische “colonne mobile“ über Berne, Elsfleth, Brake nach Blexen in Marsch gesetzt.

             Pastor Steinfeld benennt die Truppenstärke auf ca. 800 bis 1000 Mann:
   30 Polizeibeamte (Gendarmen)
   250 Grenzbeamte (Douaniers)
   100 Marinesoldaten (Marins)
   und 400 bis 600 Angehörige der 53 Cohorte der Nationalgarde

Auf dem Marsch zu den aufständischen Soldaten nimmt die Strafexpedition in allen größeren Orten Aufrührer fest, 
als auch bedeutende Persönlichkeiten, sogenannte “Notable“, als Geiseln, um sich das Wohlverhalten der einheimischen Bevölkerung zu sichern. 

               In Berne wird der jüdische Kaufmann Elias Koopmann als eine von zwei Geiseln mitgenommen.


In der Küstenbatterie Blexen angekommen wurden alle anwesenden 28 Soldaten und weitere anwesenden Personen gefangen gesetzt. 
Der deutsche Korporal Lübbe Eylers wird sofort, noch in der Befestigungsanlage, erschossen.

Der franz. Colonel Allouis hatte den Befehl alle Aufständischen zu erschießen und am nächsten Morgen werden die ersten 19 Gefangenen auf den Blexener Friedhof standrechtlich erschossen.

Danach wurde Elias Koppmann überraschend freigelassen, denn seine Frau hatte zwischenzeitlich eine Petition in Oldenburg eingereicht, die seine Loyalität gegenüber der franz. Verwaltung beteuerte.
So kam Elias Koppmann als ersten Geiseln frei und es blieben Ihn weitere Demütigungen der Franzosen erspart, als auch die Zwangsteilnahme als Zeuge bei den folgenden Exekutionen.

2 weitere Gefangene wurden in Ovelgönne, 2 vor Oldenburg und 5 wurden bei Bremen exekutiert.

Die auf den Marsch festgesetzten Personen (Geiseln) konnten sich durch Zahlung einer Auslösung (1500-2000Rth) freikaufen.

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Am 16. bis 19. Oktober 1813 fand dann die Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege statt, die als  Völkerschlacht bei Leipzig in die Geschichte einging . Dabei kämpften die Truppen der Verbündeten Österreich, Preußen, Russisches Reich und Schweden gegen die Truppen des Kaiser Napoleon (Frankreich, Herzogtum Warschau, Sachsen und einige Rheinbundstaaten).
(Es kämpften ca. 520.000 Mann auf beiden Seiten und ca. 99.000 Mann fielen in der Schlacht.)

Am 18.Nov. 1813 segelte das erste englische Handelschiff die Weser herauf nach Bremen und eine Woche später wird Blexen  und Geestendorf von englischen und russischen Soldaten eingenommen. Der Handel und die Schifffahrt normalisieren sich .

Am 27.Nov.1813 wird die glückliche Heimkehr des  Landesvaters "Herzog Peter Friedrich Ludwig" gemeldet.

Am 24.12.1813 ruft der Herzog die Bewohner des Herzogtums zur allgemeinen  Landesbewaffnung auf.  

– Sammlung der landesherrlichen Verordnungen, 1815 –
Mit Vertrauen übergeben Wir Unseren treuen Untertanen diese Verordnung der allgemeinen Landesbewaffnung. Ihre Anhänglichkeit an die Sache des Rechts, von der sie noch jüngst so rührende Beweise Uns gegeben haben, ist Uns der sicherste Bürge, dass sie eine Maßregel mit Eifer und Kraft unterstützen werden, die sei vertrauensvoll in die Zukunft blicken lässt und ihnen die Fortdauer der Veränderung des Augenblicks sichert.
Bedenkt,
dass der Gott, der den Völkern, die für die Sache des Vaterlandes streiten, seine hand abzieht von denen, die nicht wissen, mit Mut und Beharrlichkeit Freiheit und Unabhängigkeit zu verteidigen. Die gerechte Verachtung der Zeitgenossen und Nachkommen und die Willkür des übermütigen rückkehrenden Siegers ist ihre wohlverdiente Strafe. Es ist der schönste Kampf, zu dem Wir Unsere treuen Untertanen aufrufen. Nicht fremden Vorteil willen Wir mit Unserem Blute erfechten, des eigenen Herdes Glück, des Einzelnen Wohl und unseres Eigentums Sicherheit wollen wir gegen die Anmaßungen eines Feindes sichern, dessen Verfahrungsweise wir in drei kummervollen Jahren kennen gelernt haben.
Die Sache, die Wir, geliebte Landsleute, verteidigen, ist die Sache der Menschheit. Wer möchte hier nachstehen und nicht Anteil nehmen an dem Ruhme seiner deutschen Mitbrüder und so Teilnehmer werden an der Wiederbefreiung des deutschen Vaterlandes!

Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedruckten Herzoglichen Insiegels.
Gegeben auf dem Schlosse zu Oldenburg, den 24. Dezember 1813.
Peter

So  kämpfte man nun mit den Verbündeten (Russland, Preußen, England, Spanien) gegen Napoleon Bonaparte.

Peter Friedrich Ludwig, 1819. Maler: Georg Friedrich Adolf Schönher, Die Schutzdauer für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.Herzog Peter Friedrich Ludwig

 

Die Kontinentalsperre wird am 14.01.1814 offiziell aufgehoben!

Am 18.06.1815 verlor Napoleon Bonaparte seine letzte Schlacht bei Waterloo gegen die britisch-niederländisch-deutschen Truppen von General Wellington und Feldmarschall Blücher.
(Es kämpften ca. 190.000 Mann auf beiden Seiten und ca. 47.000 Mann fielen in der Schlacht.)

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Nach der Neuordnung der oldenburgischen Verwaltung ( 1814 )
Die Ämter des Herzogtums Oldenburg 
nach 1814
vergrößern Doppelklick aufs Bild

  

Zum 1. Oktober 1814 werden, durch die Verordnung vom 27.07.1814,  " alle von dem Kaiserlich-Französischen Gouvernement den Einwohnern des Herzogthums aufgedrungenen Gesetze " aufgehoben.
Aus dem Canton "Berne" ehemalige Vogteien "Altenesch und Berne"  wird das
"Amt Berne" und dieses wird vom Kreis Delmenhorst verwaltet.

  

Großherzogtum Oldenburg
1815 erhält Oldenburg auf dem Wiener Kongress den Status eines Großherzogtums. Der Titel eines "Großherzogs" wurde aber erst ab 1829 benutzt.

Flagge des Großherzogtum Oldenburg 1815-1918

1829 bildet sich aus den drei Landesteilen (Birkenfeld, Lübeck und Oldenburg) das Großherzogtum Oldenburg 1. Großherzog: Paul Friedrich August (Regierungszeit 28.05..1829 - 27.02.1853).

 Quelle Wikepedia

Das große Staatswappen des Großherzogtums Oldenburg

Es besteht aus einem Haupt- und einem Mittelschild. 
Der königlich gekrönte Mittelschild bildet folgende Wappen ab:
(Draufsicht:)

  1. Grafschaft Oldenburg (o.li .)
  2. Kreuz der Herrschaft Delmenhorst (o. re.)
  3. Mitre und Kreuz des Fürstentum Lübeck (u. li.)
  4. Weiß/Rot kariert, Fürstentum Birkenfeld (u.re .)
  5. Löwe der Erbherrschaft Jever (Spitze)

Der Hauptschild zeigt folgende Wappen:

  1. Königreich Norwegen (o. li.)
  2. Herzogtum Schleswig (o. re.)
  3. Herzogtum Holstein (m. li.)
  4. Herrschaft Stormarn (m. re.)
  5. Land Dithmarschen (u. li.)
  6. Herrschaft Kniphausen (u. re.)
Darüber befindet sich der purpurne Wappenmantel, der aus einer Königskrone herabfällt.

 

Einwohner, Feuerstellen im Jahre 1816 (Amt Berne)

Kirchspiele:

Berne Warfleth Altenesch Bardewisch Neuenhuntorf
adelige Güter 6 4   1   1
Volle Bauen 67 33 1 10 16 7
Dreiviertel Bauen 14          14
Halbe Bauen 168 95 15 28 23 7
Drittel-Bauen 1 1        
Viertel-Bauen 10 5 5       
Landköter 51 27 5 7 5 7
Kleine Köter 740 249 127 274 85 5
Brinksitzer 57           57
Heuerleute 494 212 59 148 58 17

im Ganzen

1608

626 212 468 187 115
Feuerstellen 1239 510 161 342 132 94
Einwohnern 7267 3088 948 1910 729 592

Handwerker im Ort (Markt-Flecken Berne) und im Amt Berne im Jahre 1816

Amt Berne
(ohne  den Ort)
Berne (Ort)
Markt-Flecken
Apotheker   1
Bäcker 16 8
Branntweinbrenner   1
Brauer, Bierbrauer 1 1
Buchbinder   1
Dachdecker 10  
Fährleute 2  
Färber 1  
Fassbinder oder Böttcher 11 5
Gast- und Krug-Wirte 25 4
Glaser   2
Gold-und Silberarbeiter 1 2
Grützmacher 1  
Handelsleute   9
Hauszimmerleute 26  
Höker und Kramer 20  
Holzschuhmacher 1  
Hutmacher   1
Kalkbrenner 1  
Kammmacher 1  
Kaufmann 1  
Knopfformdrechsler   1
Korbmacher 1  
Kunstdrechsler   1
Lohgerber 1 1
Maurer 32 3
Müller 3  
Sägemüller 2  
Sattler 1 2
Schiffer 31  
Schiffskapitän 1  
Schiffszimmerleute 13  
Schlachter 1 3
Schlosser 1  
Schmiede 12 4
Schneider 6 11
Schuster 44 7
Seiler 3  
Tabaksfabrikanten 1 1
Tischler 2 4
Uhrmacher   1
Wagen- oder Radmacher 2  
Ziegelbrenner 2  
Zimmerleute   3
Zinngießer   1
Summe: 277 78


A
uf Herzog "Peter Friedrich Ludwig" folgte dessen Sohn Paul Friedrich AugustRegentschaft: 28.05.1829 - 27.02.1853 (*1783 +1853), der den großherzoglichen Titel annahm. 
Der zweite Großherzog von Oldenburg wurde "Nikolaus Friedrich Peter II" Regentschaft: 27.02.1853 - 13.06.1900 (*1827 +1900) 

Oldenburg schließt sich 1854 dem Zollverein an. 

Oldenburg gehört seit 1866 dem Norddeutschen Bund, 

Oldenburg ist seit 1870 ist es deutscher Bundesstaat. 

 
Die Verwaltungsgrenzen gegen
Ende des 19. Jahrhunderts
vergrößern Doppelklick aufs Bild

  

Der dritte und letzte regierende  Großherzog von Oldenburg wird 1900 "Friedrich August"Regentschaft: 13.06.1900 - 11.11.1918 (*1852 +1931)

Für den Landtag wurde 1908 das Reichstagswahlrecht (direktes Wahlrecht) eingeführt.

1918/19 wurde aus dem Großherzogtum Oldenburg der Freistaat Oldenburg.

 
Die Ämter bis 1933

Der Freistaat Oldenburg gibt 1937 die beiden Landesteile Lübeck und Birkenfeld an Preußen ab.

Seit 1976 eingegliedert in das Land Niedersachsen.

 

 Im Jahr 1834
Aufstellung des Obelisken und
Gedächtnisfeier zur Schlacht bei Altenesch.

Auf Anregung des Altenescher Pastors "Gerhard Steinfeld", wird am 600. Jahrestag ein Obelisk zum Gedenken der Schlacht bei Altenesch errichtet. (An der Stelle der ehm. St. Veit-Kapelle)

Diese Gedenkstätte wurde damals als "Stedingsehre" bezeichnet, heute nennt man diese Gedenkstätte "St.-Veit Denkmal". Das "St.-Veit Denkmal" wurde im Jahr 2000 renoviert.

Ein Jahr später folgt die Einfassung des Obelisken.

   

Einfassung des Obelisken:
(gestiftet 1835 vom Großherzog v. Oldenburg)
Entwurf von Architekt Hrn. Thätjenhorst
gefertigt in Vegesack

 

© B.Linemann

      

Entwurf von Buschmann /  Thätjenhorst,
gegossen auf der Königshütte im Harz

 © E. Wolff

 

Die Inschriften lauten:

von vorne:
gegen Norden
Den im Kampfe für Freyheit und  Glauben auf diesem Schlachtfelde gefallenen Stedingern
links:
gegen Osten
Am 27.May 1234 unterlag den mächtigen Feinden das tapfere Volk
rechts:
gegen Westen
Bolko von Bardenfleth
Thammo von Huntorp
Detmar vom Dieke
fielen als Führer mit ihren Brüdern
von hinten:
gegen Süden
Am Jahrestag der Schlacht 1834 geweiht von späten Nachkommen

 

Die Gründungszeit der Witwen und Waisenkassen in Stedingen
  

Gründungsjahr:

 

1833

Unterstützungscasse für Wittwen und Kinder geringer Seefahrender, im Kirchspiel Altenesch

 

 

1836

Witwen und Waisen-Versorgungs-Anstalt für die Schiffer im Stedingerlande

 

 

1837

Berner Witwen und Waisenkasse e.V. eine Versorgungs - Societät von Eingesessenen des Stedingerlandes 
zum besten ihrer Witwen und nachgelassenen Kinder

Siehe hierzu, als Beispiel die Geschichte und die Statuten dieser Kasse: Link

 

 

1837

Schullehrer Wittwen und Waysencasse, im Kirchspiel Altenesch

   

1842 Gründung der
"Stedinger Compagnie, Aktiengesellschaft zur Ausrüstung eines Schiffes auf Robbenschlag 
und zu zwischenlaufenden Frachten mit dem Sitz in Berne"

Am 21. Oktober 1842 gründen Einwohner des Stedingerlandes im "Jacobsens Gasthof zu Berne" eine Aktiengesellschaft zur Ausrüstung eines Schiffes zum Robbenschlag, die "Stedinger Compagnie".
Siehe separate Ausarbeitung: Link
  

Beginn des industriellen Schiffbaus in Stedingen
zum Anfang des 19. Jhd,
Dreisielen, Weserdeich, Warfleth, Ganspe, Motzen und Bardenfleth

Wie schon in der Mitte/Ende des 17. Jhds. die aufkommende Seefahrt einen Wandel vom bäuerlichen Stedingen, zur bäuerlichen- und zur See fahrenden Bevölkerung bewirkte, begann Anfang des 19 Jhds. ein neuer Wandel der Deichdörfer, nun zu ländlichen Industriezonen.

Die Werften in Stedingen von der Hunte und dann die Weser stromaufwärts bis Lemwerder:
In Dreisielen an der Hunte und Ollen lag die Werft "von Buttel und Steenken" gegr.: 1825.

In Weserdeich lag außendeichs die Werft von "Fr. A. Röfer" gegr.: 1800 

Dann folgte in  Warfleth die Werft von "Klaus Eickhoff" gegr.: 1820  und "Heinrich Oltmanns" gegr.: 1863 
und in Ganspe "Diedrich Wenke" gegr.: 1854 sowie "Ahrend Georg Schweers" gegr.: 1865 
gefolgt von der Werft von "Hinrich Oltmann" gegr.:  1867 in Motzen. 

Nun folgen 17 Betriebe in Bardenfleth !
"Diedrich Hinrich Deters" gegr.: 1910,  "Diedrich Oltmanns" gegr.: 1781, "Friedrich Middendorf" gegr.: 1810, "Hinrich Schürenstedt" gegr.: 1838, "Hinrich Braue" gegr.: 1920,  "Martin Oltmanns" gegr.: 1830, "Menke Meyer" gegr.: 1847, "Focke-Werften" gegr.: 1779, "Johannes Fassmer" gegr.: 1850, "Martin Schweers" gegr.: 1836, "Johann Harde" gegr.: 1805, "Johann Hinrich Ficke" gegr.: 1853,  "F. H. Ramke" gegr.: 1910, "H. D. A. Schweers" gegr.: 1856, "Anton Brüning" gegr.: 1851, "Oltmanns und Sohn" gegr.: 1840, "Frerich Balleer" gegr.: 1830 

In Lemwerder erfolgte die Werftgründungen erst später
Fr. Lürssen" gegr.: 1875, Emil Naupert" gegr.: 1919, Abeking & Rasmussen" gegr.:  1907, Georg Rohde" gegr.: 1930 

Typisch für die für die Anfänge des Stedingerbootsbau kann man die Anfänge von Martin Schweers nehmen:
Im Jahre 1836 gründet der Stedinger Schaluppenbauer Martin Schweers in Bardenfleth einen kleinen Bootsbaubetrieb. 
Die Schaluppen
plattdeutsch :"Slupen"  Der Begriff entstammt der französischen Sprache (chaloupe) sind kleine Ruderboote wie sie die Grönlandfahrer im Eismeer für ihre Fangfahrten nutzten, doch auch holländische Tjalkenkapitäne Tjalken = holländische Flachbodenschiffe kauften gerne diese Boote.  
Gebaut wurden diese Boote auf der Diele des alten Bauernhauses in Bardenfleth hinter dem Deich und auch die Vermarktung war damals noch sehr originell. 
Segelte  z. B. eine Tjalke auf der Weser bei Bardenfleth, so ruderte M. Schweers zum Schiff und pries seine Schaluppe an.

Nun eine Aufstellung nach Gründungsjahren:
gegründet   eingestellt  Werftname / Gründer Ort  Betriebsbezeichnung
bei Gründung
         
1779 1884  Focke-Werften Bardenfleth, außendeichs Holzschiffbau
1781 1870  Diedrich Oltmanns Bardenfleth, außendeichs Holzschiffbau
1800 1842  Fr. A. Röfer Weserdeich,  außendeichs Holzschiffbau
1805 1831  Johann Harde Bardenfleth, außendeichs Schiffszimmerei
1810 1870  Friedrich Middendorf Bardenfleth, innendeichs Jöllenmacher
1820 1854 Klaus Eickhoff Warfleth, innendeichs Jöllenmacher
1830 1971  Frerich Balleer Bardenfleth, innendeichs Jöllenmacher
1830 1837 Martin Oltmanns Bardenfleth, außendeichs Holzschiffbau
1836 2011  Martin Schweers
ab 1876 Fr. Schweers
2001 übernahm Lürssen die Schweers-Werft in Bardenfleth, 
diedann bis zur Schließung 2011 als Lürssen-Bardenfleth geführt wurde.
Bardenfleth, 
ab 1912 außendeichs
Jöllenmacher
1838 1840   von Buttel und Steenken 
Friedrich Christian von Buttel / Berend Hinrich Steenken
Dreisielen Holzschiffbau
1838 1980 Hinrich Schürenstedt Bardenfleth, 
außendeichs 1937
Jöllenmacher
1847 1863 Menke Meyer Bardenfleth, innendeichs Jöllenmacher
1851 1969 Anton Brüning Bardenfleth, innendeichs Bootsbauerei
1840 1965 Oltmanns und Sohn Bardenfleth, innendeichs Jöllenmacher
1850   Johannes Fassmer 
gründet mit seinen Vater "Frerich Fassmer" die Werft
Bardenfleth, 
außendeichs 1961
Jöllenmacher
1853 1938 Johann Hinrich Ficke Bardenfleth, innendeichs Jöllenmacher
1854 1890 Diedrich Wenke Ganspe, innendeichs Jöllenmacher
1856 1985 H. D. A. Schweers Bardenfleth, innendeichs,
ab 1920 auch außendeichs 
Jöllenmacher
1863 1963 Heinrich Oltmanns,  Warfleth, innendeichs Jöllenmacher
1865 1957 Ahrend Georg Schweers Ganspe, innendeichs Jöllenmacher
1867 1940 Hinrich Oltmann,  Motzen, innendeichs Jöllenmacher
1875   Fr. Lürssen Lemwerder innendeichs Jöllenmacher
1910   Diedrich Hinrich Deters Bardenfleth, 
außendeichs 1961
Bootsbauerei
1910 1953 F. H. Ramke Bardenfleth, innendeichs Kanu-, Bootsbau
1913 Rolandwerft, gründet durch den 
Schiffbauingenieur Karl Vertens und Kaufmann Riechmann.
Am 1. Juli 1972 übernahm Detlef Hegemann die Werft
Im April 2010 wurde die Detlef Hegemann Rolandwerft GmbH & Co. KG an die Bremer Lürssen-Gruppe verkauft
Warfleth, außendeichs Boots- und Yachtbau
1919 1923 Emil Naupert Lemwerder  Bootswerft
1920 1957 Hinrich Braue Bardenfleth, außendeichs Bootsbauerei
1907   Abeking & Rasmussen, 
Gründer Henry Rasmussen und Georg Abeking
heute "Abeking & Rasmussen GmbH"
Lemwerder außendeichs Boots- und Yachtbau
1930 1979  Georg Rohde Lemwerder außendeichs Boots- und Yachtbau


Die Erteilungen der Konzession für diese Betriebe erfolgten zeitlich sehr konzentriert in der Mitte des 19Jhd., doch waren viele dieser Betriebe wesentlich früher aktiv, doch eben nicht amtlich gemeldet.

So begann der Schiffsbau mit: "Schaluppen, Jollen, Brandungsboote,  Barkassen, Segelboote, Küstenfischerboote und ..."

Und aus den Anfängen auf der Diele im Wohnhaus zog man bald in eigene Nebengebäude um.
Dann erforderte der Bau größerer Schiffe die Verlegung der Werftplätze außerhalb des Deiches. 


Johann Friedrich Ludwig Schweers mit Brandungsboot, ca. 1910

 

Das Vollschiff "STEDINGER"

Auf der Werft Oltmann, in Motzen  wurde 1854, das Vollschiff Ein Vollschiff ist ein Großsegler mit mindestens drei vollständig rahgetakelten Masten.,die Zahl der Rahen kann dabei variieren. "STEDINGER"  (266 CL· 37,7 x 9,6 x 5,5)  mit der Baunummer Nr. 55 gebaut. Der Stapellauf fand am 25. Februar 1854 statt. Haupteigner war Kapitän Friedrich Ammermann aus Weserdeich, der einen Anteil von 4/16 hielt. Darüber hinaus waren neun weitere Einwohner aus dem Stedingerland am Schiff beteiligt.

Das unter Oldenburger Flagge fahrende Vollschiff " STEDINGER" hatte leider keine  glückliche Fahrtzeit. Im August 1857 verunglückte sie unter Führung von Kapitän Ammermann beim Kap der Guten Hoffnung. Die Besatzung wurde von dem Bremer Schiff TUISKO unter  Kapitän Adolf Dannemann gerettet. In Anerkennung der geleisteten "Entschlossenheit und Ausdauer "bei der Rettung der Besatzung, erhielt dieser im darauffolgenden Jahr vom Großherzog von Oldenburg die "Medaille aus Rettung in Gefahr" verliehen.  

Die Zeit nach dem ersten Weltkrieg

 

Das Krisenjahr 1923 und "Deutscher Oktober"

in die Zeit der  Weimarer Republik mit Inflation seinen vielen Umsturzversuchen, 
vor den sogenannten "Goldenen Zwanzigern" (1924–1929) mit seiner scheinbar wirtschaftlichen Stabilität.

Am 13. August wird der nationalliberal Politiker Gustav Stresemann DVP, Deutsche Volkspartei neuer Reichskanzler. Es ist die Zeit der kommunistischen und separatistische Bewegung, ausgehend von dem seit 1921 französisch besetzten Rheinland und der "Ordnungszelle "Bayern beginnen auch im Oktober 1923, nachdem der Reichstag das "Ermächtigungsgesetz" am 13.Okt. verabschiedet hat,  Aufstände der KPD in Hamburg Hamburger Gruppe unter Ernst Thälmann , Holstein und Bremen.
Die KPD
Kommunistische Partei Deutschlands erwartet ein Verbot und vom 22.-24.Okt.  kommt es in Hamburg zum blutigen Kommunistenaufruhr mindestens 100 Tote und über 300 Verwundete. Davon waren 17 Tote Polizisten, 24 Aufständische und 61 unbeteiligte Zivilisten . In Blumenthal und Vegesack brechen am 23.Oktober ebenfalls Unruhen aus, es wird die Werft "Bremer Vulkan" und die Wollkämmerei besetzt. Am gleichen Tag setzen etwa 100 bis 150 kommunistische Arbeiter über die Weser nach Stedingen und plündern in Berne und Umgebung.

Ziel ist es sich mit Waffen zu versorgen !
Im Amt Elsfleth werden geheimen Waffenlagern der Reichswehr vermutet

Von der Post in Berne gelingt es diesen Angriff nach Oldenburg zumelden und noch am gleichen Tag wird die Besetzung durch die Berner Bürgerwehr und die aus Oldenburg herbei geeilte Ordnungspolizei zurückgeschlagen. Das ca.  50-köpfiges Ordnungspolizei-Kommando wird vom Polizei-Hauptmann Moritz von Drebber geführt. Beim kurzen Gefecht zwischen der Ordnungspolizei und den schlecht bewaffneten Aufständischen gab es einen Toten man spricht von einem Unbeteiligten und mehrere Verwundete. 

Die Oldenburger Ordnungspolizei verhaftet 47 Personen und arrestiert diese dann in der Reithalle zu Berne, der Rest schafft es zurück, über die Weser, nach Bremen.
In Bremen wurden dann in der Nacht zum 25.Okt die Wortführer festgenommen und am 31. das geheime Parteibüro ausgehoben. In den Betrieben wurde dann am 26. und 27. die Arbeit  wieder aufgenommen.

    

  

Der Raub der 6 Ferkel

Aktion der Landvolkbewegung im Jahr 1929 - im Zeichen der Weltwirtschaftskrise -

Der Landwirt und Vorsitzender des Landesbundes "Berne/Warfleth" Hohenböken aus Schlütte bei Berne weigerte sich seine Gemeindesteuer zu zahlen. Da er nach mehrmaliger Aufforderung zur Zahlung, dieser nicht nachkam, pfändete die Gemeinde sechs seiner Ferkel.  

So kam es am 09.09.1929 zur Zwangsversteigerung im  "Gasthof zum Deutschen Hause" des Gastwirtes Bruns.
Parallel zur Versteigerung hatte der Landbund zum  Protest auf dem Breithof aufgerufen. Es erschienen ca. 250 bis 300 Personen. Als dann die Ferkel zum Kauf angeboten wurden, stimmte die Versammlung das Lied "Deutschland, Deutschland über alles" an.  So wagte es kein Käufer ein Angebot abzugeben, darauf wurde die Zwangsversteigerung für eine halbe Stunde ausgesetzt.

Als dann die Zwangsversteigerung fortgesetzt wurde, sangen die Demonstranten nun das Lied "Heil dir o Oldenburg" und wieder wagte es kein Käufer ein Angebot abzugeben.

Somit war die Zwangsversteigerung verhindert und die Ferkel wurden im Stall des Gastwirtes Bruns verbracht.
Dieser Stall hatte jedoch eine Klappe zum Fluss Berne und in der Nacht kamen dann einige Männer mit einem Boot und raubten die Ferkel aus dem "verschlossenen" Stall. 

Der Diebstahl wurde dann am Morgen entdeckt und der Gendarmeriestation gemeldet, doch die Ermittlungen ergaben das keiner wusste, wo denn diese Ferkel geblieben sind.        ;-))

Vorgeschichte:
Bereits am 10.März 1929 gab es eine vergleichbare Aktion im Amt Cloppenburg. 
Auch dort hatte ein Landwirt seine Steuerschulden nicht bezahlt, worauf der Amtschreiber seinen ausgedienten Deckeber pfänden ließ. Bei der angesetzten Versteigerung wurde auch kein  Angebot abgegeben. 
Am selben Abend wurde das Tier im Triumphzug und unter Glockengeläut in den heimatlichen Stall zurückgekarrt.
Diese Geschichte nahm dann der Oldenburger Schriftsteller August Hinrichs zur Vorlage seiner »Swienskomödie«  die 1935 verfilmt wurde und heute noch als Theaterstück "Krach um Jolante" aufgeführt wird.

 

Verwaltungsgrenzen im Wandel

Vor 1933 gehörte Berne zum Amt Elsfleth  und Bardewisch und Altenesch zum Amt Delmenhorst.

Die Verwaltungsreform zum 15.05.1933
Brake wird Sitz des neugebildeten Kreises Wesermarsch, im Gau Weser - Ems, Sitz Oldenburg, der die historischen Gebiete von Butjadingen und Stedingen zu einer Verwaltungseinheit zusammenfasst. Die Gemeinden Altenesch, Bardewisch und Berne werden zur "Großgemeinde Stedingen" zusammengelegt.

 Großgemeinde Stedingen
das alte "Oberstedingen"

Das Nydamschiff: "Stedingsehre"

1934 erhielt die Werft Abeking & Rasmussen den Auftrag vom Carl Röver, Gauleiters von Weser-Ems, für den Bau eines Nydamschiffes – nach einem altgermanischen Vorbild –
Dieser sah in den „Wikingern” die Vorfahren der Stedinger und beschloss, an diese (glorifizierte) Vergangenheit anzuknüpfen.
Von der Auftragsvergabe an die Werft bis zur Ablieferung blieb den Bootsbauern nicht einmal ein Monat Zeit, um das Schiff fertigzustellen.
Das Boot entstand in 14 Tagen und Nächten aus Eichenholz und lief pünktlich wie bestellt am 25. September 1934 vom Stapel.

Stedingsehre"  Länge von 23 Metern und einer Breite von 3,13 Meter

Vor Kriegsbeginn kam das Boot am 29.Sept.1936 nach Bad Zwischenahn, um als Ausbildungsboot der örtlichen Marine-Hitlerjugend zu dienen.
Die Marine-Hitlerjugend (die Gruppe zählte 14 bis 16 Knaben) konnte das Boot jedoch kaum nutzen,
denn um ein solches Boot zu bewegen benötigte man mindestens 31 erwachsene Männer an den Rudern.
Während des zweiten Weltkrieges wurde es dann nicht mehr genutzt und lief voll Wasser und wurde letztendlich zersägt und abtransportiert.

BILD: Klaus Peltzer

    

das
„Nydam-Schiff“
in Bad Zwischenahn

BILD: Klaus Peltzer

 

"die 700 Jahrfeier der Schlacht bei Altenesch"

Die Schlacht bei Altenesch wurde im Jahr 1934 durch die NSDAP durch eine 700 Jahrfeier demagogisch umgesetzt:

Nachdem Carl Röver (*1889 in Lemwerder) am 05.05.1933 Reichsstatthalter von Oldenburg und Bremen geworden ist, beauftragte er den niederdeutschen Schriftsteller August Hinrichs mit der Erstellung eines Bühnenstückes zum Gedenken an die Schlacht bei Altenesch.

26.Mai 1934 um 18:00, es ist der Vorabend zur 700 Jahrfeier in Altenesch.
Auf dem Marktplatz von Berne wird eine Gedenkfeier gehalten, dieser Feier wohnen der Reichsstatthalter von Oldenburg, Carl Röver, und der Reichsleiter Alfred Rosenberg und der oldenburgische Ministerpräsident  Georg Joel bei.

Am Sonntag dem 27. Mai 1934 (dem Tage der  700 Jahrfeier) wurde auf dem "historischen" Schlachtfeld bei Altenesch (auf einer extra für diese Feier aufgebauten Freilichtbühne) das Spiel des niederdeutschen Schriftstellers August Hinrichs (1879-1956) "De Stedinge" -Spiel vom Untergang eines Volkes- vor 30.000 bis 40.000 Besuchern uraufgeführt.
 
(Die Freilichtbühne befand sich auf "Hennings Hof" in Altenesch, mit einer extra für das Spiel nachgebauten Altenescher Kirche. Mitgewirkt haben bei diesem Spiel ca. 300 Bewohner der Gemeinde Altenesch und ca. 70 Pferde.)

Anwesend waren: Gauleiter und Reichsstatthalter von Oldenburg und Bremen, Carl Röver,
Reichsstatthalter von Mecklenburg, Hildebrand,
Reichsleiter, Alfred Rosenberg,
der oldenburgische Ministerpräsident, Georg Joel,
Schlesiens Gauleiter, Helmut Brückner,
Reichsbauernführer und Reichsernährungsminister, Walther Darré.

27.05.1934 auf dem Festplatz HenningsHof / HenningsWeide

Am 30. Mai 1934 wird das Stück erneut vor 20.000 Kinder am Jugendtag aufgeführt.

Röver veranlasst , dass auf dem Bookholzberg bei Gruppenbühren eine Freilichtbühne , die „Niederdeutsche Kultstätte Stedingsehre“ gebaut wird.
            >> Grundsteinlegung am 29.10.1934  << auf den sogenannten "Thingplatz auf dem Bookholzberg"

Die Freilichtbühne wird am 13.07. 1935 in Anwesenheit von Himmler, Darré und Rosenberg eingeweiht.

Das Leitmotiv ändert sich von
"
Lewer dod as slov
in 
"
Dot- ower nich inn'e Knee"

Die  „Niederdeutsche Kultstätte Stedingsehre“

Das Plakat aus dem Jahre 1935:

Titelbild des  Programmheftes
1937

Zum Gedenken an die 700 Jahrfeier wird dann dort das Stück "De Stedinge" -Freiheitkampf der Stedinger- aufgeführt.
Zwischen 1935 und 1937 sehen dort ca. 230.000 Besucher diese Aufführung.

Die Freilichtbühne wird von  „Niederdeutsche Kultstätte Stedingsehre“ in  die „Niederdeutsche Gedenkstätte Stedingsehre“ umbenannt.

 

Eine Episode aus dem Jahr 1938, wie die "Stedinger" den Bremer-Maibaum "raubten" 
Siehe separate Ausarbeitung: Link

 

Die letzten Tage der Gemeinde Stedingen im zweiten Weltkrieg.
(Stedingen als letzter offener Korridor zwischen den Alliierten.)

Fakten:
Bremen

 

Am 27.04.1945 18.00 Uhr erfolgte die Kapitulation Bremens durch den Bürgermeister Duckwitz gegenüber den britischen Truppen. Damit ist für die weitgehend zerstört Stadt Bremen eigentlich der zweite Weltkrieg vorbei
doch in Vegesack und Frage wird weiter gekämpft, so wird Vegesack noch bis zum 3. Mai weiter beschossen.
Berlin 30.4.1945: Selbstmord Hitlers in Berlin.
Oldenburg 

 

Am 3.Mai wird das Oldenburger Stadtgebiet durch den Oberbürgermeister Dr. Heinrich Karl Paul Rabeling den einrückenden kanadischen und britischen Truppen kampflos übergeben.
Teilkapitulation

 

Faktisch endete für Norddeutschland, die nördlichen Niederlande, Dänemark und Norwegen der Krieg nicht erst am 8. Mai, sondern bereits am 4. Mai 1945 um 18.30 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt kapitulierten die im Raum Hamburg/Schleswig-Holstein konzentrierten Wehrmachtsverbände (...) vor Feldmarschall Montgomery.


Während dieser Tage ist die Situation um Berne, die folgende:

4 tägiger Beschuss von Berne

Vom 30.April bis zum 3.Mai 1945 wurde Berne und Umgebung, von der aus Oldenburg vorrückenden Artillerie beschossen.

 
Die Strasse zwischen Hiddigwarden und Berne wurde durch eine Bombe getroffen und unpassierbar.
 
Die deutsche Wehrmacht sprengte:

 

An mehreren Stellen die Strasse zwischen Neuenkoop nach Berne.
Sowie die Drehbrücke über die Hunte und die Brücke über die Ollen bei Dreisielen

zu den Toten:

 

Neuenhuntorf : Hr. Eilers
Berne: Hr. Spekker (58J) 01.05.1945

und folgende Soldaten in Berne, 
die dann in Berne begraben wurden.

 

 

Soldat: Reinhard (25J) 01.05.1945
Soldat: Bieneck 01.05.1945
Soldat: Dietrich (25J) 03.05.1945
Soldat: Fuchs (32J) 04.05.1945

Am 03.05.1945 handelten die Bürger und es kam zur Kapitulation des Ortes

Der Ortsgruppenleiter war geflohen, die Soldaten hatten die Stellung verlassen und der  Bürgermeister wollte den Ort nicht übergeben.
Darauf handelten einige Bürger um die sinnlose Zerstörung des Ortes und das weitere Blutvergießen zu vermeiden.
                         „Für so eine Tat waren damals erheblicher Mut und Zivilcourage erforderlich“
den anderenorts hatte linientreue Nazis solche Leute schon erschossen.
Übergabe des Dorfes verlief am 03.05.1945 wie folgt:
               Mit einer weißen Fahne gingen 
         der Schlachter Bober, 
         der Gärtner Bulling, 
         der Drogist Gömann 
         und der Hr. Ritterbeck (ein Flüchtling aus Nordrhein-Westfalen)
zum vorgeschobenen Posten der Kanadier bei Glüsing.
Die Kanadier akzeptierten die angebotene Kapitulation des Ortes und stellten sofort den Beschuß ein.

Es dauerte noch einen Tage bis dann die Kanadier den Ort besetzten, so mussten diese "Palamentäre" die in den Ort zurückgekehrten waren, noch ein mögliches Standgericht wegen "Feigheit vor dem Feinde" fürchten.

Die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht

wurde am 7. Mai 1945 im Hauptquartier der US-Streitkräfte in Reims unterzeichnet und trat am 8. Mai um 23:01 Uhr in Kraft. 

 

nach dem zweiten Weltkrieg

Gemeindereform zum 01.04.1948
Aus der "Großgemeinde Stedingen" werden die  Gemeinden Altenesch, Bardewisch und Berne wieder neu gegründet.
Zum 15.11.1972 wird aus den Gemeinden Bardewisch und Altenesch die Gemeinde Lemwerder.

 

 

Die Sturmflut 1962 -De Diek is brooken-

Seit  dem 12 Februar 1962 ist die deutsche Nordseeküste von eine schweren Sturmflut betroffen. 

Am 16 Februar 1962, drehte der Wind dann auf Nordwest mit 9-10 Windstärken (in Böen bis 12). Der Fährverkehr wird eingestellt und auch die Bahnverbindung nach Elsfleth. 
Beim nächtlichen Höchstwasserstand kommt es bei Käseburg, Piependamm, Warfleth und Wehrder zum Deichbruch bzw. Deichrutsch.
Über das Radio wurden am frühen Morgen des 17. Feb. alle Männer aufgefordert sich zum Deich zu begeben. Der Wettlauf gegen das ansteigende Wasser der Weser begann, doch letztendlich schaffte man es die Bruchstellen mit Sandsäcken zu verfüllen. 
Die Bruchstellen konnten so durch den Einsatz der Bundeswehr und der Anwohner bis zum Mittagshochwasser am 17. Februar 1962 wieder geschlossen werden. 


Es sind hohe Sachschäden doch sind keine Menschenleben zu beklagen.

Bilder vom Deich bei Warfleth:

am 17.Febr. 1962 bei Warfleth,           die Bruchstelle muss geschlossen werden,                 das Haus "Harfst" ist zerstört

Die Bruchstelle beim Haus "Harfst" ist geschlossen,             die Anwohner und die Bundeswehr helfen.

 

Stedinger-Schiffbau für die DGzRS

Fast die gesamte Flotte der Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wurde in den Gemeinden Berne und Lemwerder gebaut.

           Motorrettungsboot (MRB)

DANIEL DENKER: 15 Meter lang, 4,20 Meter breit und hat einen Meter Tiefgang.
Abeking & Rasmussen letzter DGzRS-Auftrag vor dem Zweiten Weltkrieg.
Die 15,22 m lange MRB „Daniel Denker” von 1936. Sie verfügte noch über eine vollständige Besegelung.
Das 1935 neu gebaute, 35 Meter lange, auf Helgoland stationierte, gedeckte Motorrettungsboot
15 Meter lang, 4,20 Meter breit und hat einen Meter Tiefgang.
Ein kompressorloser Sechszylinder-Viertakt-Dieselmotor mit 125 PS bringt das Boot auf 9,5 Knoten Geschwindigkeit
.

           Seenotrettungsboot (SRB)
           Seenotkreuzer (SK)

Seenotrettungskreuzer Hermann Marwede auf Station im Süderhafen Helgoland, Wikipedia Foto Wolfgang Meinhart, Hamburg
SK Hermann Marwede

Schweers-Werft, Berne-Bardenfleth
seit 2002 eine Werft der Lürssen-Gruppe
2010/2011 wurde dann der Standort geschlossen.
Im Aug.2012 übernahm die Fassmer-Werft diesen Standort.
Abeking & Rasmussen, Lemwerder
Fassmer-Werft, Berne/Motzen
Name Jahr Klasse Name Jahr Klasse Name Jahr Klasse
SK Theodor Heuss 1956 23m MRB Dr. Fehrmann 1912 11m SRB Marie Luise Rendte 1988 8,50m
SK Ruhr-Stahl 1958 23m MRB Dr. v. d. Leyen 1913 11m SRB Franz Stapelfeldt 1990 8,50m
SK H. H. Meier
(1985 SK Theodor Heuss)
1960 23m MRB Ferdinand Laeisz 1913 11m SRB Günther Schöps 1992 8,50m
SK Arwed Emminghaus 1965 26m MRB Geheimrat Schröter 1913 11m  SRB Gerhard ten Doornkaat 1992 8,50m
SK Paul Denker 1967 17m MRB Ulla 1916 11m SRB Karl van Well 1992 8,50m
SK Otto Schülke 1969 19m MRB Konsul John 1929 13,10m SRB Zander 1993 7,40m
SK Hans Lüken 1969 19m MRB Daniel Denker 1936 15,22m SRB Hecht 1993 7,40m
SK John T. Essberger 1975 44m Motorbeiboot 1936 3,5m SRB Barsch 1993 7,40m
SK Hermann Ritter 1977 44m  3 * Strandboote 1945 10,5m SRB Butt 1993 7,40m
SK Wilhelm Kaisen 1978 44m 1 * Strandboot 1948 10,5m SRB Dornbusch 1993 8,50m
SK Eiswette 1980 23,30m SK Hamburg 1960 23m SRB Cassen Knigge 1993 8,50m
SRB Kaatje II 1980 7m SK Georg Breusing 1962 26m SRB Putbus 1993 8,50m
SK Fritz Behrens 1981 23,30m SK Adolph Bermpohl 1965 26m SRB Walter Merz 1993 8,50m
SRB Umma II 1981 7m SK H. J. Kratschke 1969 19m SRB Otto Behr 1993 8,50m
SK Vormann Steffens 1989 27m SK G. Kuchenbecker 1969 19m SRB Hellmut Manthey 1993 8,50m
SK Nis Randers 1990 23,30m SK Minden 1985 23,30m SRB Hermann Onken 1993 8,50m
SK Vormann Jantzen 1990 23,30m SK Vormann Leiss 1985 23,30m SRB Jens Füerschipp 1993 8,50m
SK Hannes Glogner 1991 23,30m         SRB Crempe 1994 8,50m
SK Hermann Rudolf Meyer 1996 23m       SRB Baltrum 1994 8,50m
SK Hans Hackmack 1996 23m       SRB Bottsand 1994 8,50m
SK Theo Fischer 1997 23m       SRB Stralsund 1994 8,50m
SK Bernhard Gruben 1997 23m       SK Hermann Marwede 2003 46m
SRB Wilma Sikorski 1999 9,5m       SRB Kurt Hoffmann 2004 10,1m
SRB Gillis Gullbransson 1999 9,5m       SRB Horst Heiner Kneten 2006 9,5m
SRB Werner Kuntze 1999 9,5m       SRB Nausikaa 2006 10,1m
SRB Heinz Orth 1999 9,5m       SRB Konrad-Otto 2006 10,1m
SRB Hertha Jeep 1999 9,5m       SK Eiswette 2008 20m
SRB Hans Ingwersen 2000 9,5m       SK Eugen 2009 20m
SRB Emil Zimmermann 2000 9,5m       SK Theodor Storm 2011 20m
SRB Neuharlingersiel 2000 9,5m       SK Harro Koebke 2012 36m
SRB Heiligenhafen 2000 9,5m       SK Pidder Lüng 2013 20m
SRB Caspar Otten 2001 9,5m       SK Ernst Meier-Hedde 2015  28m
SRB Woltera 2002 9,5m       SK Berlin 2016  28m
SRB Paul Neisse 2003 10,1m       SRB Hans Dittmer 2017  10,1m
SRB Eckernförde 2004 9,5m       SK Anneliese Kramer 2017  28m
SRB Elli Hoffmann-Röfer 2004 9,5m        SRB Secretarius 2017  10,1m

 

kleine Wappenkunde:

Wappen des Landes Oldenburg, seit 1946
o. li und u. re , das  Oldenburger Wappen
o. re und u. li , das Delmenhorster Kreuz 

 

das heutige Stedingen (Gemeinde Berne und Lemwerder),
der südliche Teil des Landkreises Wesermarsch


Landkreises Wesermarsch

Das Wappen des Landkreises Wesermarsch ist im Jahre 1950 im Rahmen eines öffentlichen Wettbewerbes entworfen worden.
Der Nds. Innenminister hat dem Landkreis Wesermarsch am 02.02.1953 das Recht zur Führung dieses Wappens (einschl. entsprechendem Dienstsiegel) verliehen.

Das gespaltene Schild zeigt in der rechten Hälfte die vor 1475 gebrauchten oldenburgischen „fiv Stucken“, d. h. die beiden roten „ammerschen Balken“ auf Gold (gelb) als Sinnbild für die Verbundenheit des Kreises mit dem alten Lande Oldenburg und für die politische Zugehörigkeit zu diesem.
Die geteilte Hälfte links trägt im oberen silbernen (weißen) Felde eine nach rechts fahrende grüne Dreimastkogge, wie sie im 14. und 15. Jahrhundert als Kriegs- und Handelsschiff bei der Hanse auf der Weser üblich war,  als Sinnbild für Handel und Gewerbe und die mit beiden seit alters eng verbundene, für den Kreis besonders bedeutungsvolle Seefahrt.
Das untere grüne Feld zeigt den historischen „Rüstringer Friesen“ nach rechts schreitend , mit kurzem breitem Schwert, mit der als Sprungstock ausgebildeten Lanze, mit dem sogenannten „braunen“, dem mit vier Kreisen versehenen kleinen Rundschild und der „fresche huwe“ , so wie ihn auch das sogenannte 4. Rüstringer Landessiegel vom Jahre 1341 wiedergibt. Der in Silber (weiß) dargestellte „Rüstringer Friese“ weist auf die Stammeszugehörigkeit der Bevölkerung und deren traditionsbewusstes Eintreten für Freiheit und Recht hin.
Das Grün versinnbildlicht die Landwirtschaft und deutet im Verein mit Silber (weiß) als naturgegebene Farben des Kreises dessen besondere landschaftliche Eigenart an.
Der Entwurf stammt von dem Architekten Dipl. Ing. G. Raths aus Brake.


Gemeinde Berne


Gemeinde Lemwerder

Das Wappen der Gemeinde Berne zeigt in der oberen Hälfte auf  gelben Grund zwei nach den Seiten blickende zusammengewachsene rote Pferdeköpfe mit weißen Halftern als Symbol für die Bedeutung der Landwirtschaft und Pferdezucht. 
Die untere Hälfte zeigt auf blauem Grund ein einfaches Boot mit Steuerruder über weißen Wogenkämmen, als Symbol für den am Weserdeich ansässigen Schiffbau.

Seit dem 24.05.1950 besitzt die Gemeinde Berne nach der Verleihungsurkunde des Nds. Ministers des Innern das Recht zur Führung des Wappens.

 

 

Im oberen weißen Feld ist ein sechsgriffiges grünes Steuerrad 
als Symbol für die Verbindung der Gemeinde mit Schifffahrt, 
Bootsbau und Weserstrom dargestellt.

Das untere grüne Feld zeigt ein lebhaft  schreitendes weißes Pferd als Symbol für die von jeher bedeutende Landwirtschaft in der Gemeinde Lemwerder.

Das Pferd entspricht dem historisch überlieferten Apfelschimmel "Kranich", dem mit langer Mähne und langem Schweif ausgestatteten Lieblingspferd des Oldenburgischen Grafen Anton Günther, welches dieser um 1640 im Südzipfel der Gemeinde, dem ehemaligen Vorwerk Weyhausen, züchtete.

 

 




 

 

 

Die Chronik wird fortgeschrieben und ergänzt  ...........................................

Literaturangabe:
Die benutzten Bücher  und Manuskripte siehe "http://www.ulf-neundorfer.de/stedingen-book.html"
sowie viele Fundstellen im Internet